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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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Die Stimmung in der Kompanie wurde merklich drückender. Die ,, Rotpunkt- Träger" hoben sich deutlich von allen übrigen ab. In jedem freien Augenblick sah man Gruppen von Häftlingen, welche flüsternd auf und ab gingen und ihr Gespräch abbrachen, wenn ein Fremder nahte. Bei der Arbeit waren sie doppelt fleißig.. Ihre Grup­pen, die nur aus diesen Männern bestanden, arbeiteten atemlos, ohne von den Vorarbeitern angetrieben zu werden, seltsam willig. Die Folge davon war, daß wir unseren Arbeitsplatz schon nach einigen Tagen wechselten und uns langsam der Stelle näherten, wo der Kanal einen ziemlich scharfen Bogen macht. Die Arbeit dauerte normalerweise bis fünf Uhr nachmittags. Um diese Zeit beendete sie der Pfiff des Kommandoführers. Auf sein Signal hin trugen alle Gruppen ihr Werkzeug vor die Bude und stellten sich zum Ab­marsch auf.

Der 10, Juni 1942 war ein ausnahmsweise schöner Tag. Die Sonne brannte heiß und am blauen Himmel sah man kein einziges Wölk­chen. In den warmen Sonnenstrahlen bewegten sich die Häftlinge lebhafter. Einige zogen ihre Jacken aus und warfen mit aufgestreif­ten Ärmeln volle Schaufeln trockener, warmer Erde aus dem Graben. Nach dem Mittagessen legte sich die ganze Kompanie ins Gras, um noch einige Minuten vor Pausenschluß in der Sonne auszu­ruhen.

Wie alle anderen suchte ich mir einen Platz zum Liegen, legte meine Jacke unter den Kopf und versuchte mich einer kurzen, aber kostbaren Mittagsruhe hinzugeben. Kaum hatte ich mich hingelegt, da kam einer der ,, Rotpunkt- Träger", der Häftling Lachowicz, zu mir: ,, Schläfst du?".

,, Nein, ich tanze!" brummte ich ungehalten.

,, Rück mal etwas weiter." Lachowicz warf seine Jacke zur Erde und eine Weile später lag er neben mir. Er sah mich eine Zeitlang schweigend an, dann schaute er sich um. Der nächstliegende Häft­ling lag in einer Entfernung von ungefähr fünfzehn Metern.

,, Schönes Wetter", bemerkte er gesellig. Ungeduldig hob ich den Kopf.

,, Ich bin voller Anerkennung für deine eingehenden Beobach­tungen, aber scher dich zum Teufel", antwortete ich knurrig. Lachowicz rückte näher an mich heran.

,, Halt den Mund!" Er schaute mir bedeutsam in die Augen und fügte leise hinzu: ,, Wir türmen heute!"

Ich fühlte, wie mir das Blut in den Kopf stieg. ,, Was heißt hier , wir?" brachte ich kurz heraus.

,, Ich denke, daß alle..." Er schloß die Augen und sprach flü­sternd weiter. Es hat doch nicht den geringsten Sinn, zu warten, bis man uns der Reihe nach auf Nr. 11 abführt. Was denkst du dar­

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