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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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In der ersten Nacht schlief ich wunderbar in der neuen Behau­sung und stand am nächsten Tag in der achten Arbeitskolonne wieder startbereit zur neuen Arbeit

XI. Kapitel.

Die neue Aufgabe der SK bestand darin, einen Kanal, den sogenannten ,, Königsgraben", auszuheben, der die Weichsel mit ihrem alten Flußbett verbinden sollte. Der Kanal erstreckte sich einige Kilometer, weit und lag zwischen zwei Erdwällen, welche eine Überschwemmung verhüten sollten. Wir arbeiteten auf einem etwa 400 Meter langen Abschnitt in Gruppen zu je zwanzig Häft­lingen. Einige hoben mit Schaufeln das Kanalbett aus, andere bün­delten Reisig; wieder andere vollendeten den ausgehobenen Kanal, indem sie seine Ufer mit Gestrüpp befestigten.

Der ganze Abschnitt war von einer Anzahl SS- Posten besetzt, von denen einige auf beiden Wällen standen, andere mit Maschinen­pistolen den Anfang und das Ende unseres Arbeitsgebietes ab­sperrten.

Es herrschte ein im allgemeinen erträgliches Arbeitstempo, außer in den Gruppen, welche von den Kapos Karl ,, Dachdecker" und Adolf Baginsky geführt wurden. Beide standen im Lager in dem Rufe, Mörder zu sein. Wenn bei der Gruppeneinteilung ein Mann mit einer etwas schwächlichen Natur ihrer Gruppe zugeteilt wurde, konnte man mit Sicherheit annehmen, daß er nach zwei Stunden vor die ,, Bude" getragen wurde.

Ein beliebtes Mittel Karls war, die Menschen im Wasser zu wür­gen. Er griff aus seiner Gruppe den betreffenden Häftling heraus und befahl ihm, sich zu bücken. Da die Kapos das Recht zur sofor­tigen Bestrafung durch Schläge hatten, dachte solch ein Häftling, daß es um die üblichen ,, fünfundzwanzig" ginge und streckte das Gesäß aus. Dieses ganze Zeremoniell" fand gewöhnlich in der Nähe der Gräben statt, die mit Wasser ausgefüllt waren. Im ge­gebenen Augenblick schlug Karls Knüppel zu, und zwar nicht auf den Hintern, sondern auf den Nacken. Der Geschlagene fiel ge­wöhnlich besinnungslos zu Boden. Dann erschien Kapo Baginsky und trug den Bewußtlosen gemeinsam mit Karl zum Graben. Hier tauchten sie seinen Kopf ins Wasser, und zwar so lange, bis der Tod eintrat.

Solche ,, Operationen" wiederholten sich einige Male am Tage. Die Opfer dieser Schergen waren meistens neue Zugänge, die sich in unseren Verhältnissen noch nicht orientiert hatten. Die altein­gesessenen Häftlinge der SK versuchten in andere, sichere Gruppen

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