der russische„Restbestand“ nath zwei Monaten auf 100 Mann ver-
\- minderte, und nach etwa einem Jahre befanden sich nur noch vierzig
"stämmige Männer im Lager, deren russische Hemden daran erin- nerten, daß hier einst rüssische Kriegsgefangene eingeliefert worden ‘waren.
' Die Sirafkompanie- befand sich ‚anfänglich auf Block 3. Nach einigen Tagen stellte man uns jedoch Block 1 zur Verfügung. Das{
‘war eine gemauerte Baracke, deren Wände aus dünnen, einschich-
tigen Ziegeln bestanden. Durch eine Tür in der Mitte der Baracke
‚betrat man das Innere. Links und rechts zweigte ein ziemlich breiter . Korridor ab. Auf beiden Seiten des Korridors. befanden sich ge-
mauerte, dreistöckige Schlafkojen. Die Breite jeder Koje betrug
. zwei Meter, die Länge etwa ein Meter und achtzig Zentimeter. In
solch einer„Koje’' mußten laut Vorschrift sechs Häftlinge schlafen,
. in Zeiten der Überfüllung sogar zehn oder zwölf Personen. Zwischen
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dem Dach und den Wänden befänden sich zehn Zentimeter breite
Lücken, durch- welche Luft, Regen und später auch Schnee freien
Zutritt hatten. In der ganzen Baracke gab es kein einziges Fenster, keinen Ofen, und die Toilette befand sich auf‘dem Hofe, der mit. einer drei Meter hohen Mauer umgeben war.„Toilette ist hier eine sehr schmeichelhafte Bezeichnung der-gewöhnlichen eisernen Kar- ren, die unter der Mauer aufgestellt waren und auf denen manchmal
- fünf„Interessenten‘ zugleich saßen.
Mit dem Lager: wechselten auch unsere ‚Beschützer. An Ger- lachs Stelle wurde nun der SS-Rottenführer Sternberg Blockführer und Kommandoführer, ein kleiner gedrungener Typ, mit anormalen langen Händen und komisch kleinem Kopfe, der auf einem kurzen dicken Halse saß. Während seines kurzen, nur drei Wochen dau- ernden Aufenthaltes bei der SK erwürgte er eigenhändig etwa hun-
(dert Häftlinge, meistens die sogenannten„Körperschwachen‘. Nach „drei Wochen nahm SS-Oberscharführer Moll seine Stelle ein, der - spätere Chef des Krematoriums. und der Gaskammer. Das war ein
riesenhafter Kerl mit furchtbaren Leibeskräften, blonden Ben und
. frischblauen Augen.
Zum Blockältesten wurde an Hansens Stelle ein alter Verbrecher aus Bayern , namens Rudolf, bestimmt, der die Nr. 15654 trug. Den berüchtigten Wacek vertrat als„Stubenältester” der ehemalige Poli- zeispitzel Kmitas aus Oberschlesien ; Oberkapo - der SK wurde der „Rote Gangster” Gustav, Häftling Nr. 3267. Seine Gehilfen waren Willi‘Brackmann, Arno Neumann, Karl„Dachdecker“(Nr. 3216) und einige weniger bekannte„Grünlinge”, wie wir die Inhaber der grünen Winkel bezeichneten.
In dieser Zeit- wär SS-Hauptscharführer Fitze Lagerführer in Birkenau, Rapportführer war SS-Unterscharführer Schillinger.
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