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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
Entstehung
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Wie es sich später herausstellte, hatte auch Stanko sich an einen Roman erinnert, dessen Held durch Kauen von Leder einige Tage länger lebte.,

Gegen Mittag werden die mit Schuhkrem und Schweiß getränk­ten Lederstückchen feierlich unter uns verteilt.

Ich habe keinen Mut, dieses Zeug in den Mund zu nehmen und warte auf die anderen. Diejenigen, welche den Vorschlag gemacht hatten, begannen.

Es verging keine Viertelstunde, da zeigte sich schon der Erfolg.. Beide bekamen furchtbare Schmerzen. Sie brüllten himmelschreiend und krümmten sich vor Qualen. Und dann folgten die Erbrechungen.

Um Mitternacht war es mit dem Tschechen zu Ende... Wir trugen ihn auf die andere Seite der Zelle. Über das fahle, mit Blut beschmutzte Gesicht breitete sich ein wunderbarer Friede...

Der erste!

Abends bekam Merschel einen Nervenanfall. Er sprang zur Tür und begann diese mit beiden Händen zu bearbeiten, indem er unver­ständlich schrie. Dann fing er' an, gegen die Tür zu hacken und Ischließlich mit dem Kopf dagegen zu schlagen.

Es gelang uns nur schwer, ihn wieder auf den Fußboden zu legen. Nach einigen Minuten trat ihm Schaum auf die Lippen, und er verlor die Besinnung. Ähnlich erging es dem Polen Stanko. Er spazierte in der Zelle herum, bis ihn plötzlich der Krampf faßte und er mit dem Kopf auf den steinernen Fußboden schlug, daß es dröhnte. Der fünfte Tag...

Ich bin unheimlich schwach. Die Schmerzen wichen ein wenig, ich habe nur einen furchtbaren Durst. In den Ohren saust es, nicht zum Aushalten. Jedes Geräusch in der Zelle verursacht in meinem Kopf einen physischen Schmerz wie von einem Schlag.

Seit

Es ist mir ganz gleichgültig, was neben mir geschieht einigen Stunden halte ich die Augen geschlossen und finde keine Kraft mehr, sie wieder zu öffnen. Wozu auch? Ich denke noch ziem­lich klar, nur langsam. Jetzt fällt es mir schon schwer, die Umwelt wahrzunehmen. Das Sausen wird zum beherrschenden Gefühl. Ich empfinde nichts anderes. Eine eigenartige Lähmung bemächtigt sich. meiner. Ich atme schnell.

So liege ich lange. Wie lange, weiß ich nicht. Die Gedanken erreichen fast nicht mehr mein Bewußtsein. Ich weiß nichts mehr, ich verstehe nichts mehr.

Plötzlich wird es mir sehr heiß, ich sinke irgendwo hinein in die Tiefe. Für einen kurzen Augenblick gewinne ich die Besinnung zu­rück. Das ist schon das Ende. Ich sterbe. Es ist gar nicht so furcht­bar... das war mein letzter Gedanke. Eine unheimliche Kälte weckte mich. Ich öffnete die Augen und schloß sie gleich wieder.

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