-.„Aber; in der Nacht wird mein Zustand bedenklich. Von Zeit.zu Zeit feuchte ich meine Lippen an. Blitzschnell trocknen sie wieder. . Ich beginne also zu fiebern. Das ist schlimm. kan, Die Nacht'verging mir ohne Schlaf. Am Morgen war es noch schlimmer. Tatsächlich verspürte ich ein starkes Sausen in den ‚Ohren. Der Verfassgr des Buches hatte doch recht...= Wieder schweigen wir alle. Etwa gegen Mittag steht der Deut- sche Konrad Merchel auf und beginnt gegen die Tür zu hacken, Niemand hindert ihn daran. Vielleicht machen sie tatsächlich auf? . Nach einigen Minuten hört er auf. Resigniert setzt er sich neben die Tür und flucht laut. x: „Was willst du?” fragt ihn Willi. „Zum Lagerführer.,. Ich werde mich als Freiwilliger zur ss.
melden. Es ist doch verrückt, durch so eine dumme Geschichte das Leben zu verlieren. Ich bin dreiundzwanzig Jahre alt.”; „Schweinl" urteilt Willi kurz und bricht das Gespräch ab. Willi trägt einen roten Winkel. Er war einmal Funktionär der SPD. in ‘Sachsen . y|': „Dir fällt es leicht zu sagen: Schwein! Du bist über vierzig Jahre. alt, aber ich habe noch nichts vom Leben gehabt.’ „Wofür sitzt du?“ fragt Willi nach einer: Weile, „Diebstähle... und ein Raubüberfall.” Willi lacht. a ‚- Warum hast du inoffiziell geraubt? Du solltest gleich in die‘SS eintreten. Wärest heute schon Kommandant vom Auschwitz und könntest offiziell morden...". Er schaute ihn noch eine Weile an; dann wandte er sich an uns:„Das sind die Schlimmsten. Um zu jeben, verkaufen sie das eigen€@ Kind. Pfui!" Er spückte verächtlich . aus und kehrte Merschel endgültig den Rücken zu.” Gegen Abend‘des dritten Tages beginnt Dr. Sinkowicz zu erbre- chen. Tränen fließen ihm aus den Augen, krampfartige Zuckungen erschüttern den ganzen Leib. Wir versuchen ihm zu heifen, aber er drängt uns-mit beiden Händen zurück. Später stellte es sich heraus, daß Dr. Sinkowicz im Laufe der vergangenen Nacht, als wir alle schliefen, den Blechlöffel, den es ihm gelungen war, in die Zelle zu schmuggeln, in kleine Stücke gebrochen und’dann alle Stücke ge- ‚ schluckt hatte, in der Hoffnung, dadurch seinen Tod zu beschleu-- pigen. ba j re, er 2 -Bis zum frühen Morgen finde ich keinen Schlaf. Mit dem Tsche- chen wird es immer schlimmer. Er fiebert sehr stark und.erbricht in regelmäßigen Zeitabständen Blut.. Die beiden Warschauer haben jetzt eine seltsam& Beschäftigung. Sie reißen die Lederstiefel in kleine Stücke,{rennen sorgfältig das Leder vom Stoff und teilen es in neun Häufchen, i
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