konnte, die tiefsten Gefühle einer Mutter, die zwölf Kin­der erzogen hatte, von denen fünf Söhne an den ver­schiedensten Fronten standen, so tief herabzuwürdigen! Aber ähnliche Bemerkungen befanden sich in fast allen Briefen, wo der Name Gottes nur erwähnt war.

Die Gefangenen bekamen oft nur den Umschlag aus­gehändigt, der ganz leer war. Den Brief hatte man ein­fach herausgenommen. O, es war' schändlich, und es wurde viel geweint an den Samstagen nach der Austei­lung der so heißersehnten Post! Andere erhielten viel­leicht zwei ganze Zeilen, alles übrige war weggeschnit­ten. Mir ist das auch geschehen. Ach, erst die Freude, einen Brief zu haben, und dann diese Enttäuschung. Es war schon zum Heulen!

Und viel Trauriges enthielten oft diese Briefe. Man­cher Häftling lag weinend über den Tisch gebeugt: der einen war die Mutter gestorben, der andern der Mann oder Bruder gefallen, ein Kind daheim war sterbens­krank, ein Bruder vermißt oder verwundet. Vielfältig waren diese Hiobsbotschaften. Da wir manche Zigeune­rinnen im Block II hatten, die fast alle nicht lesen und schreiben konnten, kamen sie zu mir: ,, Bitte, lies mir den Brief vor!" So mußte ich die Überbringerin sein von Freud und Leid, meistens war es Leid, und mit allen mußte ich es tragen, die Weinenden trösten. Sie alle wünschten, daß ich teilnahm an dem, was sie bedrückte, und ich tat es gern und selbstverständlich, stärkte es doch den Gemeinschaftsgeist untereinander.

Wie ich den Analphabeten die eingelaufene Post ent­ziffern und vorlesen mußte, so kam auch eine ganze Reihe zu mir und bat, daß ich ihnen die alle vier Wochen fälligen Briefe von fünfzehn Zeilen an ihre Angehörigen schreiben möchte. Sie setzten dann nur ihre drei Kreuz­lein oder ihren Namen darunter. An solchen Schreib­tagen habe ich manchmal sechzig bis achtzig Briefe bis in die Nächte hinein geschrieben und wurde auf diese Weise eingeweiht in schaurigste Familienverhältnisse.

Die Häftlinge des Blockes II waren zum Teil auch ver­heiratet. Die Männer waren oft Soldaten, die, weil sich

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