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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
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nen Hauserdörfel etwa eine halbe Stunde vom Dorf Waakirchen dem Tegernsee zu gelegen. Wir waren hier auf das freundlichste aufgenommen worden. P. Provinzial lag gleich drei Tage wie ein nasser Sack im Bett und hörte und sah kaum etwas von den Geschehnissen ringsum. Ich hielt mich zwei Tage noch ziemlich gut aufrecht. Der P. Provinzial berichtete später, daß ich an diesem ersten Abend, als wir zu Bett gingen, folgendes laute Selbstge- spräch gehalten habe:

Ein Bett, ein richtiges Bett, ein weiches Bett, sogar ein sehr weiches Bett. Ich kann mich nach rechts drehen, ich stoße an keinen andern; ich kann mich nach links drehen, es drückt mich nirgends; ich kann mich nach rechts drehen, es drückt mich nir- gends. Ich kann mich quer legen, wenn ich will, und keine Laus und kein Floh. Ein wirkliches Bett!

Ich selbst weiß, daß ich in der ersten Nacht den

P. Provinzial immer wieder auf den draußen rau- schenden Regen aufmerksam machte. ‚Nun stellen Sie sich vor, wir lägen noch alle draußen im Wald, im strömenden Regen!

Nach zwei Tagen lag ich auch auf der Nase und dann gleich so gründlich, daß ich zwei Tage und zwei Nächte alle halbe Stunde hinaus mußte. Wir fasteten radikal, sehr zum Leidwesen der Leute, die uns zu gerne mit allem Guten gepflegt hätten. Als es mir dann nach drei Tagen etwas besser ging, packte es den P. Provinzial aufs neue sehr schwer. Unangenehm war uns, daß wir den Leuten zur Last fallen mußten. Unsere Wäsche war so entsetzlich schmutzig. Sie mußte gewaschen werden. Sehr er- schrocken war ich, als ich am dritten Tage Läuse bei mir entdeckte. Jetzt wurde ich besorgt: Wer weiß, ob wir nicht evtl. den Leuten den Ruhr-Typhus noch ins Haus schleppen?! Zunächst hielt ich auf das Genaueste wieder wie in Dachau dreimal gewissen- haft Lauskontrolle. Dann drängte ich, daß wir zu

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