kommen. Nicht einmal Wasser hatten wir unter- wegs gefunden; denn den Bach unseres Rastplatzes hatten wir in der Dunkelheit überhaupt nicht ent- decken können.
Nach 10 Minuten aber ging es schon weiter, über Tölz hinaus, durch das erste, zweite und dritte Dorf. So sehr ich auch Ausschau hielt, ob ich etwa unter- wegs fliehen könnte, etwa: dadurch, daß ich seit- wärts in eine Kirche träte in einem unbewachten Augenblick: es war an diesem Tag wegen der schar- fen Wache nicht möglich. Es zog sich um uns immer mehr SS zusammen, die offenbar auf dem Rückzug vor den nachdrängenden Amerikanern waren.
Ein Mitbruder versuchte es an diesem Tag, kam auch in die Kirche hinein, wurde dort wieder aufge- stöbert und es wäre ihm beinahe bös gegangen, wenn er sich nicht hätte auf einen Posten berufen können. Kurz hinter Tölz sah ich am Wege einen Gefangenen im Straßengraben liegen mit einer Schläfenverwundung. Zunächst dachte ich, er sei gefallen. Er war bereits tot. Als ich im Laufe des Tages mehrere solcher Toten sah, die alle eine Stirn- oder Kopfverletzung hatten, kam ich zur Überzeu- gung, die mir nachher auch von fast allen Mitbrü- dern bestätigt wurde, daß es sich um Kopfschüsse handelte. Im übrigen war bei den meisten ein Nach- helfen durch Kopfschuß gar nicht mehr nötig.
Apathisch waren wir so bis zum späten Nachmittag gewandert. Da wurden wir hinter einer Panzer- sperre wieder seitab in den Wald getrieben. Hier lagerte eine riesige Menge von SS, die sich offen- sichtlich auf ihrem Rückzug hier gesammelt hatte. Uns sank vollends der Mut; denn nun war uns klar, wir sollten mit der SS zusammen noch in das Ötztal geschafft werden, und diese SS würde sich bis zum letzten verteidigen wollen und gewiß keinen von uns lebend in die Hände der Amerikaner fallen las- sen wollen. Es hieß dann bald, daß wir in der Nacht
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