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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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Gelände aus, fiel hin, die anderen über einen hin- weg und die SS ständig dreinschlagend hinterher.

Ich war in der vergangenen Nacht auf eine Gruppe von Mitbrüdern gestoßen, die ein kleines Wägelchen mitführten, um Gepäck für Alte und Kranke darauf zu legen. Gebeten, mitzuziehen, war ich zu dem Wagen getreten, und auch wir wurden nun den Berg quer hinaufgetrieben, eine Arbeit, die wir fast nicht gepackt hätten, da es über Baumwurzeln, über Steine die steile Böschung hinaufging. Oben war ich bereits ganz erschöpft, da wurden wir zu viert, zwei Priester und zwei andere, wieder hinuntergetrie- ben auf die Talsohle. Drunten lag halb im Bach, halb auf dem Ufer ein sterbender Jude. Man sah, daß ihm die Augen bereits brachen. Er war nur mehr ein Gerippe und leichenfahl. Ein junger SS-Mann, zwischen 20 und 25 Jahren, bearbeitete ihn mit den Stiefeln und schrie:Der simuliert nur, eben war der noch ganz lebendig, raus mit ihm, los, heraus- reißen und den Berg hinauf. Der andere Priester war bereits über 60 Jahre. Wir zerrten, selbst bis zu den Knien im Bach stehend, den armen Men- schen mit Mühe die Böschung heran und sollten ihn nun hinauftragen und das in Eile. Mit meinen Brü- chen hätte ich das sowieso kaum fertiggebracht. Es stand am Wege ein eiserner, doppelrädriger Karren. Wir baten, den fast Toten wenigstens da hinauflegen zu dürfen, was gnädigst gestattet wurde, und dann wurden wir mit dem Kolben, wieder in größter Eile, den Berg quer hinaufgetrieben. Als ich oben ankam und wieder zu den Kameraden stieß, war ich völlig erschöpft und ich sah, daß der Marsch von neuem begann.

Das Wetter war weiterhin sehr schlecht. Es wehte oben ein unangenehmer, scharfer Wind, der uns Schneeflocken mit Regen untermischt ins Ge- sicht trieb. In diesen grauen Morgen, in das Schnee- treiben und in die Hoffnungslosigkeit und Ausweg-

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