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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
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ter wäre es sowieso nicht mehr möglich gewesen zu entfliehen, da die SS offenbar besondere Anweisung hatte und die Wachen verschärft wurden.

Inzwischen graute der Morgen des KrNdı.

- Da ich nicht nur völlig durchnäßt und erkältet war, sondern durch die unmögliche Lage am Boden auch unerträgliche Schmerzen hatte, stand ich in der ersten Frühe bereits auf und konnte so das Folgende gleich gut beobachten.

Ringsum lagen in allen möglichen Stellungen die völlig erschöpften Kameraden. Auf den Bäumen lag dicker Schnee. Es schneite noch immer weiter und wir hatten den 1. Mai! Der tauende Schnee tropfte unaufhörlich auf die Schläfer. Plötzlich weckte sie eine wilde Schießerei der SS und im Nu trieb diese auch mit Kolbenschlägen und wütendem Geschrei die tausenden wie tot Lagernden auf. Wir merkten bald, daß in der Nacht eine SS -Ablösung gekommen war, wie wir nachher vermuteten, aus der nahen Junker-Schule der SS von Bad Tölz . Es war junge Totenkopf-SS, äußerst brutal und ge- mein. Die Gefangenen, die zum Teil selbst durch die Schießerei, durch das Geschrei und durch das Gedränge der über sie Hinstolpernden nicht aus ihrem todtiefen Schlaf aufwachten, wurden einfach durch Fußtritte und Kolbenschläge aufgetrieben. Es entstand eine Panik. Es sah wirklich so aus, als ob wir im nächsten Augenblick niedergeschossen wür- den. Dazu wußte keiner, was man eigentlich beab- sichtigte, wo hinaus der Weitermarsch etwa gehen sollte, wo der Weg war, und die SS wurde mit jeder Minute rasender. Ich sah, wie ein SS-Mann einem Priester den Karabinerlauf mit voller Wucht fünfmal hintereinander in die Rippen stieß, daß dieser um- fiel. Man trieb uns in aller Hast den Berg quer hin- aus. Da wir aber so viele waren, hinderte der eine den anderen. Man rutschte in dem schlammigen

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