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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
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noch an zu regnen. Wir werden naẞ. Das Zeug liegt unerträglich schwer auf einem. Dazu treibt der Rapportführer unangenehm scharf. In Starnberg gibt es eine Stockung. Wir sollten ursprünglich über Weilheim auf Mittenwald zu marschieren, doch sind die Panzerspitzen der Amérikaner gegen Weilheim vorgestoßen wie wir später hörten. Wir müssen deshalb über den See zur Münchener Seite hinüber und marschieren dort in der Nacht weiter.

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Im grauenden Morgen wankt unser Elendszug durch Wolfratshausen . Wir sind vor allen Dingen ganz ausgedörrt.

Einige von uns versuchen, von Leuten am Wege Wasser zu erhalten. Die SS wehrt es uns mit Kol­benschlägen. Wir haben gehofft, in Wolfratshausen Quartier zu machen, müssen aber sehen, daß man uns belogen hat. Wir werden weitergetrieben. Es regnet in Strömen.

Ich bin ganz verzweifelt. Lasse mich am Wegrand in einen Graben niederfallen. P. Provinzial versucht mich aufzurichten. Ich lasse die ganze Ko­lonne an mir vorbeimarschieren, raffe mich dann doch wieder auf und wanke hinterher. Wir werden immer ungeduldiger und schreien ohne Rücksicht auf die Folgen, daß wir endlich rasten wollen. So läßt man uns für kurze Augenblicke in einem völlig durchnäßten Tannenwald niedersitzen. Ich habe nur den einen Wunsch: ruhen, ruhen!

Ich bin darum ganz verzweifelt, als man uns nach ungefähr 1/4 Stunde wieder auftreibt. Inzwischen regnet es in Strömen. Wir wandern noch eine halbe Stunde. Dann sieht man, daß es unnütz ist, und treibt uns wieder in den Wald. Dort lagern wir im Regen.

Ich gehe auf Wassersuche, finde nichts. Komme zu­rück und sehe, daß ein Russe auf meinem Mantel liegt, sich gerade meiner Konservendose bemächti­gend. Ich habe sie ihm abgeholt, sofort geöffnet und

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