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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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P. Provinzial lag zu dieser Zeit an einer schweren Lungenentzündung erkrankt auf der Zweier­Stube mit 40 Grad Fieber, und auch für ihn bedeu­tete es ein ziemlich kräftiges Memento mori , als P. Kentenich ihm das Säckchen seines Kursgenossen P. Henkes ans Bett brachte zum Aufbewahren, bis man es aus dem Lager nach Freising bringen konnte. Das war Dachau !

Eines Tages aber hörte ich hinter dem letzten Block abends, wenn der Wind danach ging, ein leises Ge­räusch, das mich sofort in Aufregung versetzte. Ich rief meine Mitbrüder und sie bestätigten mir dann: das ist Kanonendonner! Die Front rückt heran!

Es sollten allerdings noch Wochen vergehen, bis sie Dachau erreichten. Und wir waren gänzlich im Un­gewissen, was man vorher mit uns anstellen würde; nur daß die Entscheidung nahe war, das kroch mit einer fiebrigen Nervosität immer mehr an uns heran. Die Tages- Angriffe der Flugzeuge mehrten sich und auch die Nachtangriffe. Aber die machten uns im Lager keine Schwierigkeit. Längst hatten wir erkannt, daß das Lager von feindlichen Fliegern genau gekannt und unbehelligt gelassen war; ja, wir merkten, daß in der Nacht die Lagerecken mit lang stehenden roten Leuchtkugeln gekennzeichnet wur­den offensichtlich zum Schutz des Lagers.

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Aber würden auch nicht wir eines Tages auf Transport gesetzt werden? In einer Nacht bekamen wir einen großen Schrecken, als uns und den Polen- Block mitten in der Nacht eine mit Karabinern bewaffnete SS- Formation von den Pritschen auftrieb und uns alle auf der Block­straße versammelte. Wir dachten: ,, Nun geht's los!" Aber dann war es nur eine Kontrolle, ob Waffen auf den Blöcken versteckt gehalten würden. Solche und ähnliche Ereignisse sorgten aber immer dafür, uns in seelischer Aufregung zu halten. Freilich, auch in

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