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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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mal auf den Boden setzen konnten. Viele brachen zusammen und sehr viele konnten gegen Abend noch nicht mal den kurzen Weg zum Nachbarblock machen. Wir trugen sie hinüber. Gerade wurde der Tee ausgeteilt oder was man mit diesem Namen be- zeichnete, und man sah Gefangene, die ihr Stück Brot erhalten hatten essen konnten sie es nicht, dazu waren sie zu schwach aber sie hielten es gegen ihre Brust gepreßt, unartikulierte Laute aus- stoßend und auf den Teekessel hinweisend. Sie wollten zu trinken haben und waren nicht mehr im- stande, vor Schwäche und Ausdörrung noch ihren Wunsch in Worten herauszubringen..

Noch über eine Woche sahen wir sie so, nur mit dün- nem Hemd und Hose bekleidet, oft bei Regen und Wind auf ihrer Blockstraße. Und am nächsten Mor- gen machte mich August H. auf das schreckliche Bild aufmerksam:

Der Moor-Expreß war vorgefahren und man lud einen nach dem andern der nackten Gerippe auf schon in der ersten Nacht war eine große Anzahl ge- storben man lud sie auf, wie man Holzscheite auflädt.

Auch unsere Familien-Gemeinschaft hatte in diesen letzten Wochen noch einen Todesfall zu ver- zeichnen:

P. Richard Henkes ,

der sich freiwillig als Kantineur auf einen Zugangs- Seuchenblock hatte einsperren lassen, wurde von der Seuche ergriffen und starb innerhalb von fünf Tagen. Durch die Bemühungen von P. Kentenich gelang es uns, daß wir ihn in einem kleinen Ver- schlag neben dem Revier aufbahren konnten. ı Zu gleicher Zeit waren zwei polnische Priester gestorben. Der kleine, stallartige Verschlag war von Priestern heimlich mit weißen Bettdecken ausgeschlagen worden. Man hatte die bereits sezierten Toten in den bekannten blechausgeschlagenen Lagersärgen

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