Druckschrift 
Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
118
Einzelbild herunterladen
  

-

Wer Fieber bekam, dem wurde von seinen zwei Decken eine genommen und er mit der andern auf eine der beiden letzten Stuben verlegt. Dort starben täglich manchmal 20, 30, ja 50 Leute auf einem Zimmer. Was mag das für ein einsames, trostloses und hilf­loses Sterben gewesen sein? Polenpriester meldeten sich freiwillig wie auch Deutsche auf andere Blocks, um als Stubenälteste Dienst zu tun. Vier pol­nische Stubenälteste der Stube 2, Priester, wurden hintereinander von der Seuche ergriffen, drei davon starben. Sie meldeten sich, um wenigstens in etwa priesterlichen Beistand leisten zu können. Aber es ging einfach über ihre Kraft. Wer gestorben war, wurde völlig nackt auf die Blockstraße hinausgewor­fen. Dort lagen 30, 40 Leichen manchmal tagelang, der Schnee fiel darauf und wenige Meter seitwärts kauerten die Überlebenden, um ihre Lagersuppe zu

essen.

Viel grauenhaftes Leid ist hier gelitten, von dem keiner berichten kann und wird, und viel verborgenes Heldentum geleistet worden. Dafür ein kleines Beispiel:

Auf der Vierer- Stube von Block 30 war ein älterer Köl­ ner Mann, der wegen einer harmlosen Bemerkung ins Kz. gekommen war. Dieser nahm sich seiner Kameraden nach Kräften an, pflegte die Kranken, betreute die Sterbenden, entfernte die Toten.

Ein Schönstatt- Priester R.- ein Landsmann und Be­kannter brachte ihm des öfteren Lebensmittel, was natürlich streng verboten war. Eines Tages reichten wir ihm ein Brot durch das mit Stacheldraht vergitterte Fenster, und R. sagte zu ihm: ,, Sorge nur, daß du nicht selbst krank wirst!" Scherzend meinte der gute und fromme, alte Mann: Mein Fleisch können sie haben, meine Knochen bekommen sie aber nicht!" Nun, das Fleisch hatten sie wohl längst. Er war mager wie ein Kleiderständer. Aber auch seine Knochen bekamen sie. 14 Tage später schon

118

W

ti

U

d

W

PDBBBAADHI W

J

g

lo

te

D

K

H

e

d

W

li

a

E

F

P

e

S