Druckschrift 
Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen

Wir yachtet

nur für wenige Worte Platz. Mir aber kam es darauf an, meine begonnene Arbeit fortsetzen zu können.

Aber plötzlich war die Erleuchtung da. Eines Tages sagte ich meinem Gegenüber:Ein Messer müßte ich haben, wenn ich doch nur an ein Messer käme! Da kann ich Dir helfen!, kam sofort die Antwort. Ich habe auf dem Hofe eine Rasierklinge gefunden und Du kannst die Hälfte davon bekommen. Wirk- lich klingelte am nächsten Tage durch die Ritze der schlecht schließenden Eisentür eine durchgebrochene Rasierklinge auf meinen Boden. Er hatte beim Spaziergang einen unbeobachteten Moment benutzt, war zu meiner Tür gesprungen und hat das heiß- begehrte Messerchen durch den Spalt hindurch- geworfen.

So, nun konnte es losgehen. Nun wußte ich mit einem Male, warum ich in einer dumpfen Ahnung darauf bestanden hatte, daß meine Wäsche nicht von Limburg aus, sondern von meinen Verwandten be- sorgt wurde. Sie wurde nach wie vor von dem treuen Ehepaar Fluck abgeholt. Diese schickten sie meinen Verwandten in Nord-Westfalen zu und nach der Säuberung ging sie wieder über den Weg von Eschhofen an mich. Ich nahm eines meiner Ober- hemden und trennte mit dem Messerchen vorsichtig die Rücknaht der Manschette auf. Dann zerschnitt ich mein sauberstes Taschentuch so, daß es in die Manschette genau hineinpaßte Knopflöcher und alles wohl beachtet. Ich überlegte genau, wie etwa die Wäsche kontrolliert werden könnte, z.B., daß man sie gegen das Sonnenlicht hielt. Als ich fest- gestellt hatte, was man auf diesem Weg entdecken könnte, richtete ich mich dementsprechend ein. Dann schrieb ich auf das Leinenläppchen folgendes:

Wenn Ihr dieses entdeckt, so richtet in Zukunft alle Hemdmanschetten, Brusteinsätze und Schulter- passen zu Taschen ein, legt ein doppelt gefaltetes, möglichst dünnes, festgewebtes Tüchlein hinein

59