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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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Aufnahme hatte mir dieses verweigert mit der Be- gründung, das sei streng verboten von der Gestapo und wenn so etwas herauskäme, so würde ihm das nicht nur seine Stelle kosten, sondern auch noch schwere Strafe dazu. So fragte ich garnicht danach, bis eines Tages der Hausvater, der mir nun schon ein guter Freund war und mich in stillen Stunden, z. B. an Sonntagnachmittagen heimlicherweise besuchte, zufällig nach dem Brevier fragt und da er erfährt, daß ich keines habe, brüllt er mich an:Warum haben Sie denn nichts gesagt, Sie Dummkopf, das könnten Sie doch nun schon lange haben! Frei- lich, nun mußte er warten, bis die nächste Wäsche kommt, dann der Frau Bescheid sagen und dann wird sie es beim übernächsten Schub bringen können.

Ich muß hier etwasnachholen:

Schon seit dem ersten Tage meiner Haft hatte ich einen guten Schutzengel, eigentlich waren es.zwei: Herrn Johann-Ernst Fl. und seine Frau Gustel unsere Nachbarn aus Eschhofen . Was dieses gute Ehepaar in treuer Anhänglichkeit all die Monate für mich getan, ist ihnen nicht zu danken.

Zunächst mußte Joh. Ernst am ‚hochheiligen Weih- nachtstag des Jahres 1942 aus, im zu erkunden, wo- hin mich die Gestapo eigentlich verschleppt hatte. Er war freilich vergeblich nach Limburg zum Gefängnis, zum Landratsamt und an andere Stelle gegangen hatte nichts rausbekommen. Am Dienstag nach Weihnachten kam er nach Frankfurt a. M. und ging hin in den Löwenrachen, alias Lindenstr.: GESTAPO - Hauptquartier, und erkundigte sich frisch-fröhlich nach P. Poieß und wann ich wieder entlassen würde, da ich ja nichts begangen hätte. Das bekam ihm freilich schlecht. Er wurde auf Herz und Nieren durchsucht, und nur der großen Virtuosität, mit der er den harmlos Dummen spielte, hat er es zu ver- danken, daß Th. ihn wieder unbehelligt entließ. Das Verhör hatte ihm zwar Schrecken eingejagt,

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