Druckschrift 
Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
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Ich darf arbeiten!

Gleich in den ersten Tagen bekomme ich eine Papier­arbeit zugewiesen. Sie ist, leicht. Nun gehen die Stunden für mich schnell dahin. Arbeit ist hier wahre Freude. Das hat auch zur Folge, daß der Arbeits­wachtmeister verschiedentlich zur Kontrolle kommt. Mein Pensum beherrsche ich leicht und gut und bei solchen Gelegenheiten schlüpft auch wohl Fritz mit ein. Wir begrüßen uns kurz und sagen uns das eine oder andere Wort. Er vermittelt mir auch sofort eine weitere Vergünstigung:

Eines Morgens klopft es an meiner Tür. Ich springe hinzu und draußen flüstert eine Stimme: Pax te­cum!" Hallo, denke ich, ein Lateiner! ,, Et cum spi­ritu tuo!" Da sagt's draußen: Ich bin der Bibliothe­kar. Du mußt mich kennen. Ich bin der Lehrer von Villmar und habe dort die Orgel gespielt."

Freilich kannte ich ihn, denn in Villmar war ich ja wie oft zur Jugendpredigt, die ich dort hielt. Auch er ist ein Opfer der Gestapo wegen seiner katholi­schen Einstellung. Da er aber bereits Untersuchungs­gefangener ist, hat er die Bibliothek des Gefäng­nisses zur Verwaltung. Und nun besorgt er mir all­sonntäglich denn nur Sonntags dürfen wir lesen

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ein Buch nach meinem Wunsche. Das letztere war wichtig, denn die anderen Gefangenen bekom­men die Bücher wahllos.

Der erste Sonntag: ich habe ein Buch. Es ist ,, Der Kampf um Rom " von Felix Dahn . Ich kenne es wohl aus früherer Zeit, aber welche Freude es für mich an diesem Tage war, wieder lesen zu können! Noch um 10 Uhr, 211 Uhr( Sommerzeit) stehe ich auf meiner Pritsche, um am Fenster die letzten Spuren des Lichtes zu erwischen, und lese, lese.

Vorher war mir bereits eine andere Freude zuteil geworden: Durch die Vermittlung des famosen, be­reits vorgestellten Hausvaters" bekam ich eine Heilige Schrift, das Neue Testament, für

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