Druckschrift 
Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen

den wi r

sere

das Essen nicht nur schlecht zubereitet war, sondern auch was wir später bestätigt fanden der größte Teil der Lebensmittel, die den Gefangenen zustanden, von den Wachtmeistern im Einverständnis mit dem leitenden Hauptmann verschoben wurde. Hier in der UHA waren die Speisen gut zubereitet und offenbar wurde in strenger Rechtlichkeit den Gefangenen alles gegeben, was ihnen, wenn auch bei kriegsmäßiger Beschränkung, zustand. Ja, ich wun- derte mich immer, wie der Küchenwachtmeister, ein harter, aber ehrlicher Westfale Hauptwachtmeister E. den Speisen, trotz der Kriegsmängel eine solche Schmackhaftigkeit verleihen konnte.

Weiter die Behandlung durch das Personal. Hier waren alles Justizangestellte, die noch in der alten Rechtlichkeit und Ehrlichkeit erzogen waren und die Gefangenen streng, aber gerecht, ja sogar höflich, behandelten. Hier war man wieder einmal einSie.

Ferner: jeden Tag wurde man genau'/: Stunde zum Spaziergang herausgeholt. Der Hof, bedeutend größer als der im Polizeigefängnis, blitzsauber gehalten, hatte sogar was mich sehr freute ein kleines Blumenrondell in der Mitte; zwar war er durch die hohen Mauern ringsum schattig. Gleichwohl hatte man versucht, Chrysanthemen in diesem Rondell zu ziehen und das Beet mit Farnkräutern umgeben. Die Chrysanthemen kamen auch wenigstens ver- einzelt in diesem Jahre zur Blüte. Der tiefe Ein- druck, den dieses Stückchen Natur auf mich machte, die Freude, die Knospe, Blatt und Blume in mir er- weckte, zeigt am besten ein Gedicht, das auf diesen Spaziergängen entstand:

Die Mauern drohend steigen,

Es starren Stäbe, fahles Grau,

Doch oben darf sich zeigen

Ein Stück vom schönen Himmelsblau. Und in dem Zelt, dem blauen, Schwebt eine Taube weiß und fern;

27