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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
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Am Samstagabend schließt er nun plötzlich die Zelle auf und-sagt mit barscher Stimme zu mir:Kommen Sie. Er führt mich über den weiten Gang und ganz am Ende schließt er eine Zelle auf, die Tür öffnet sich, siehe da: P. Jung. Kurz und wortlos bedeutet er mir durch ein Kopfnicken, ich solle hineingehen, und während er sich als Wachtposten am Treppen- aufgang aufstellt, um vor etwaigen Revisionen sicher zu sein, begrüßen wir uns in der Zelle stürmisch und freudig und nun können wir eine halbe Stunde lang uns aussprechen und erzählen unsere ganze Leidensgeschichte. P. Jung zeigt mir seinen roten Schutzhaftbefehl und es ist ein froher Samstagabend. Zwar sieht P. Jung schrecklich aus: sein Haar ist eis- grau geworden. Er erzählt mir, daß er 76 Pfund ein- gebüßt habe und das sieht man ihm auch an, aber sein Mut ist ungebrochen, wenngleich er mir auch gesteht, daß er. schwere Stunden durchgemacht habe. Der junge Wachtmeister, der mich nach dieser halben Stunde wieder heimführt, hat sich in der kurzen Zeit, die ich noch im Polizeigefängnis war, immer sehr, fein benommen, mir ab und zu mal eine Zeitung zu- gesteckt und mich mittags beim Nachschlag nie ver- gessen. Leider war er bei meinem zweiten Gastspiel in der Klapperfeldstraße nicht mehr da, er war zur Front gegangen.

Wenige Tage nach dem Verhör wurden wir plötzlich

alle in das Gerichtsgefängnis

in der Hammelsgasse verlegt. Es war am 5. März 1943. Mit mir wurden auch P. Bange, P. Jung und Br. Morper in die Untersuchungshaft-Anstalt(UHA) überführt. Die anderen Brüder waren kurz vorher schon übergesiedelt, sodaß jetzt die ganze Pallottiner - Niederlassung mit ihrem Rektor wieder vereint war im Gerichts-Gefängnis nur war überhaupt nicht daran zu denken, daß man miteinander in Verbin- dung kam; denn das Gerichtsgefängnis war ganz anders gebaut, vom diensttuenden Hauptwachtmeister

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