Druckschrift 
Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
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Durch meine Zelle läuft ein Heizungsrohr. Die Heizung ist zwar nie in Betrieb, und wir frieren im Winter infolgedessen sehr. Aber urplötzlich kommt mir beim Sitzen der Gedanke, daß sich dieses Rohr doch als Telephon gebrauchen ließe, und es fällt mir ein, daß doch in der Zelle unter mir ein Bekannter vom 2. Stock liegen muß(der SS-Mann, mit dem ich bei der 1. Entlausung bekannt geworden bin). Wir hatten uns früher immer durch ein kleines Marschmotiv über den Gang verständigt. Dieses klopfe ich nun ans Rohr und bin freudig überrascht, sofort die gleiche Antwort zu erhalten. Froh, aus meiner Einsamkeit doch wieder etwas herauszukom- men, lausche ich auf das weitere Klopfen. Und wer nur hat mir diesen Gedanken sofort eingegeben? ich beginne bei den Klopfzeichen unwillkürlich mit zu buchstabieren. Es klopft 1, 2, ich spreche: a, b. Es klopft 1, ich spreche a. Es klopft 14mal und ich buchstabiere n. Es klopft 7mal und ich buchstabiere g. Springe vor Erregung auf: Bange!! Das Rohr endet also in der Zelle von P. Bange, von dessen Verbleib ich ja nichts mehr wußte. 10 Minuten spä- ter ist unser Telephon eingerichtet. Die Familie be- steht wieder.

Und nun der>s2e2:

Am nächsten Morgen wird P. Bange verhört, 3 Tage lang, und schon am nächsten Mittag habe ich den ersten Bericht durchs Klopftelephon. Als ich am 3. Tag in der Nacht aus dem Schlaf gerissen werde und nun mitten in der Nacht zum Verhör muß(mei- nem zweiten), bin ich völlig ruhig und antworte auf die Fragen des Beamten klar und sachlich, weil ich ja was er allerdings nicht weiß durch P. Bange völlig im Bilde bin. So ist der Zusatz zu meinem ersten Protokoll kurz der:Ich habe meinen Aus- führungen von früher nichts hinzuzufügen. Zwar habe ich an diesem Abend wieder einen unsinnigen Wutausbruch des Beamten zu bestehen. Aber der

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