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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
9
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Per Auto wurde ich nun nach Frankfurt geschafft. Die Eschhöfer schauen ahnungslos und freundlich auf mich. Dann allerdings, da.ich doch wohl efh merkwürdiges Gesicht gemacht haben muß, blicken sie befremdet.

Etwa gegen 2 Uhr werde ich ins Polizeigefängnis Frankfurt a. M. eingeliefert. Ich höre noch, wie der Gestapo -Beamte zu einem Polizeimeister sagt:Da haben wir wieder so ein schwarzes Subjekt, und

‚der ihm zur Antwort gibt:Machen Sie doch kurzen

Prozeß, ins Arbeitslager mit ihm und fertig.

In der Aufnahme stehe ich offenbar ein Verlegen- heitslächeln auf den Lippen. Der aufnehmende Be- amte, einer der übelsten Patrone, die ich kennen- lernte, fährt mich an:Sie sind doch wohl Deut- scher?Ja!Sie sind doch Deutscher? Keine Ant- wort! Und dann, er, ausbrechend:An den nächsten Laternenpfahl müßte man Sie aufhängen. Eine Kugel ist viel zu schade für Sie. Da nennen Sie sich Volks- führer und verführen das Volk. Aber Ihr Lachen wird Ihnen noch vergehen. Wir werden Ihnen das Lachen schon abgewöhnen, darauf können Sie sich verlassen und in dem Stil weiter. Ich muß alles abliefern, vom Hemdknöpfchen bis zum Hosenträger, damit ich mir nicht etwa die Pulsader öffnen kann oder mich in der Zelle erhänge. Und dann führt mich ein ziemlich brutal aussehender Wachtmeister, der aber im Herzen nicht so schlimm ist, in meine Zelle Nr. 52, 2. Stock. Die Eisentür knallt hinter mir zu. Ich bin allein.

Das erste, was ich in meinem wirbeligen Sinne be- merke, ist der fürchterlich penetrante Geruch oder

besser Gestank. Ursache: Der Kübel in der Ecke; ein

völlig urinzerfressenes Blechgefäß, das dauernd und ständig einen üblen Geruch verbreitet. Dann hatte ich vor mir die Pritsche: ein Holzbrett in Türgröße. Darauf ein Papierstrohsack, etwa zur Hälfte aus- gefüllt mit Papierwolle, die allenthalben dicke, harte Klumpen bildet. Unbeschreiblich der Sauberkeitsgrad

3.