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Da heult in unser Schweigen die Sirene wie eine wilde Gehörs- halluzination, Ich fahre manisch hoch. Herrgott, wie schaukeln Raum und Zeit! Ich hätte schon vor einer halben Stunde. Ab- schied nehmen müssen, um noch vor der nächtlichen Straßen- sperre um halb elf daheim zu sein. Die Bomber kommen nicht mehr, nur noch die Jeeps der Militärpolizei. Wir nähern uns einem Zustand, den die Heuchler Frieden nennen.
„Sie können nicht mehr nach Hause, Sie müssen hier schlafen‘, erklärt Dr. Wach.
„Ich habe Sie zu unersättlich ausgefragt‘, bekenne ich schuldbewußt,„Das war nun wieder mal eine hysterische Disziplinlosigkeit. Mein armer Kopf ist mit mir durch- gegangen. Zwar ist nicht jeder Hysteriker ein Künstler, aber vielleicht sind die Kampfhysterien meines Kopfes doch meinem Buche gut bekommen. Hoffentlich ist diese nächtliche Störung Ihrer Häuslichkeit der letzte Unfug, den ich in der Sache gegen Schultze-Pfaelzer und zwei andre anrichte.“
„Halb so schlimm, bitte keine Depressionen“, lacht mein Psychiater.„Ich fürchte nur, Ihre Frau Gemahlin wird sich Sorgen machen, wenn Sie nicht nach Hause kommen.‘
„Schließlich weiß Sie ja, wo ich mich befinde.“
„Eben deshalb‘‘, meint er.„Sie weiß, Sie haben einen Besuch im Irrenhaus gemacht. Und dort sind Sie festgehalten worden. Bedenken Sie nur: Sie müssen in einer Anstalt bleiben, vor der die Leute drei Kreuze machen.“
Ich weiß nicht recht, ob der Doktor scherzt oder sich wirk- lich beunruhigt. Eine Groteske ist's auf jeden Fall» Ich muß ihn beschwichtigen.
„Sie kennen nicht meine Frau, Herr Doktor. Nein, die hatte noch nicht einmal Angst, als sie mich monatelang für verrückt halten mußte, Nein, die traut mir zu, daß ich mich absichtlich heute hier einsperren lasse, rein um der Pointe willen, daß ich doch noch in der Klapsmühle gelandet bin. Sie ist ja eine Journalistenfrau.— Ich aber schwöre Ihnen, daß mir solche_ Sensationshascherei fernlag, daß ich nur den rechtzeitigen Aufbruch vergessen habe.‘
„Schön und gut, aber nun ist für heute genug geredet, jetzt wird geruht“, befiehlt der Doktor. Er richtet mir ein Lager auf der großen, weichen Couch.
Und wieder heult draußen die Sirene. Es ist das zweite und letzte Nachtsignal. Ich lasse den müden, aufgewühlten Kopf auf das Kissen fallen.
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