,, Danach hätte also Dr. Büttenberg bei mir einen zielbewußten Willen zur Krankheit vermutet", suche ich zu folgern. Dr. Wach bestätigt. ,, Gut", fahre ich erheitert fort. ,, Dann bin ich im Grunde doch verrückt gewesen. Wenn die Flucht in die Krankheit hysterisch ist und einen Krankheitszweck, den habe ich doch weiß Gott verfolgt so müßte man alle Schauspielerei mit krankhaften Zuständen in die Zone des Wahnsinns
verweisen."
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,, Sie belieben zu übertreiben", mahnt er belustigt.
,, Gewiß, ich übertreibe, um nur für eine Sekunde zu zeigen, wie leicht die Grenzen zwischen Vernunft und Unvernunft zu verwischen sind."
,, Stimmt, stimmt", bestätigt er wieder. ,, Darum müssen wir uns hüten, die dünnen begrifflichen Wände wegzudiskutieren."
,, Noch eins, Herr Doktor, haben Sie gelesen, daß einer von Hitlers medizinischen Trabanten jetzt seinen atomisierten Führer als Hysteriker mit einem Hang zu exzessiven Wutanfällen gekennzeichnet hat? Wie erklärt sich die Hysterie des Teppichfressens? Welcher Zwecktrieb steckt dahinter? Vielleicht, daß er damit seinem eignen übermenschlichen Wahn beweisen wollte, er könne als viehischer Gott die ganze bunte Materie verschlingen. Wenn man Teppiche fressen kann, muß man dann nicht auch die Welt erobern können?"
,, Sie beginnen jetzt satirisch zu politisieren", wendet er ein. ,, Bleiben wir in der medizinischen Sphäre. Sie haben natürlich schon vom Bewegungssturm und vom Totstellreflex gehört. Bewegungsstürme beginnen mit Zittern und Strampelei. Die psychomotorischen Phänomene bei Hitler unterscheiden sich nur quantitativ von den tendenziösen Affektentladungen des ungezogenen neurotischen Kindes. Wenn sich Hitler in den Teppich einrollt, so ist das ein Totstellreflex, er will sich im Augenblick nicht länger mit dieser widerspenstigen Welt herumärgern. Und wenn er in den Teppich beißt, so ist das eine hysterische Symbolhandlung, er will gewissermaßen mit der Bestrafung des Teppichs die gesamte ihm zur Zeit verhaẞte Umwelt züchtigen."
,, Ausgezeichnet, Herr Doktor. Entschuldigen Sie, wenn ich immer noch etwas Neues auf dem Herzen habe. Darf ich Sie zum Schluß ganz offen fragen, ob Ihnen in Ihrer ärztlichen Praxis schon ein Fall begegnet ist, der sich mit dem meinigen vergleichen ließe?"
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