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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
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statt meiner hinter Schloß und Riegel sitzt. Schade, daß ich nicht mit meinem Buch so lange warten kann. Aber vielleicht besorge ich mir von ihm noch einen Epilog für die zweite Auf­lage. Jetzt, Herr Doktor Wach, müssen Sie mir noch kurz erklären, worin meine ungereimten psychischen Phänomene bestanden."

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,, Ich denke da in erster Linie an die Schlangengeschichte. Wie Sie die feuchten Platanenäste für Schlangen hielten dabei hat Ihnen die Fruchtbarkeit Ihrer dichterischen An­schauung einen Streich gespielt. Diese Gesichtshalluzination mit dem ganzen Drum und Dran paßt nicht in die leichte depressive Störung, die Sie geplant hatten. Solche Scherze leisten sich nur hochgradig Schizophrene, und deren Krank­heitsbild läßt sich nicht einfach nachahmen, weil man dabei den tatsächlichen Zerfall der Persönlichkeit darbieten muß. Sodann aber dürfte ein Fachmann niemals auf Ihren angeb­lichen Stupor hineinfallen. Wenn Sie schon eine Gliederstarre markieren, so ist die Begleitung durch Geschrei der reine Un­fug. Im übrigen halte ich etwa Ihre sogenannte Telephonitis nur für einen humoristischen Einfall."

,, Sie wissen doch, daß ich mich in die letzten großen mimischen Unkosten nur gestürzt habe, weil mich Büttenberg durchaus zu einem Hysteriker stempeln wollte. Ich habe diese Verlegenheitsdiagnose noch nach Kräften durch allerlei Mätz­chen unterstützt."

,, Bitte, unterschätzen Sie mir den Dr. Büttenberg nicht", wehrt sein Bayreuther Kollege ab. ,, Wenn er Ihr allgemeines Verhalten in der langen Reihe der Untersuchungen als Hysterie bezeichnet, hat er vollkommen recht. Hysterie ist nach dem heutigen Stande der Wissenschaft kein klinisches Krankheits­bild, das sich nach Einzelsymptomen abgrenzen ließe. Hysterie ist eine abnorme Reaktionsweise auf Lebenskrisen. Sogar in ihren körperlichen Ausdrucksformen bleibt die Hysterie eine durch Affekt und suggestive Idee bedingte psychische Reak­tionsform. In vielen Fällen, auch im Ihrigen, bedeutet Hysterie eine teils instinktive, teils zielbewußte Benutzung des primi­tiven Selbstschutzes bis zum Übergang zur Simulation. Nach einer etwas anderen Auffassung steckt in allen hysterischen Symptombildern eine Tendenz, ein Wille zur Krankheit, eine Flucht in die Krankheit, ein Krankheitszweck, jedenfalls ein Täuschungsversuch, gleichviel ob man sich selbst oder andere betrügen will."

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