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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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noch nicht von der Zuchthäuslerei zu lösen. Man läßt dort die Stiefel besohlen und die Hemden waschen, man kauft dort Gemüse und Blumentöpfe, man läßt sich sein Brennholz zer­kleinern, und man organisiert dort sogar gelegentlich eine Kanne Frankenwein. Ja, es ist ein braves, freundliches Zuchthaus geworden. Uns beiden borgt es sogar, als wir uns wieder ein eigenes eheliches Schlafgemach aufbauen, die dazu gehörigen Betten, und so bleiben wir auch weiterhin durch die wechselnden Monde der Freiheit den Zuchthausmatratzen verhaftet.

Aber unsere Sehnsucht fliegt nach Hause, nach dem großen Berlin und nach dem kleinen, schönen Waldwinkel Frohnau am Rande der ehemaligen Weltstadt. Denn wir wissen ja, dieses Berlin ist jetzt die größte Ruinenstätte, die dieser wandelbare Erdball jemals trug. Wie Berlin jetzt aussehen mag? Unsere Phantasie hat sich längst auf apokalyptische Bilder eingestellt. Ich bin ja schon neulich in Nürnberg und Frankfurt stunden­lang, kilometerweit durch die grotesken Trümmerreste deutscher Herrlichkeit von einst gewandelt.

Laßt das Verblichene vergangen sein, es kommt auf das Leben an, auf alles, was in uns und um uns lebendig blieb. Ob sie noch leben? Wer von unsern Lieben hat die deutsche Sintflut überlebt?

Meine Mutter müßte, wenn sie noch auf dieser umgepflügten Erde weilen sollte, jetzt bald einundachtzig werden. Zum achtzigsten Geburtstag durfte ich ihr nicht Glück wünschen, weil ich ihr keine Narrenworte schreiben wollte.

Wie hat sich mein ehrwürdiger Vater mit diesem abgründigen Chaos auseinandergesetzt? Und wo mag jetzt die treue Käthe walten? Wie geht's der sanften Ursula?

Wir haben ein halbes Jahr vergeblich auf ein Lebenszeichen von den Unsrigen gewartet. Jetzt muß endlich einer von uns auf die Reise, auf die Suche gehen. Ich kann jetzt meiner Klienten wegen nicht fort. Aber die tüchtige Gefährtin wird auch dieses Abenteuer wagen.

Wir nehmen Abschied. Sie will sich hinter Hof beim russi­schen Grenzkommando melden. Vier Wochen vergehen ohne Lebenszeichen. Es wird novemberlich. Die goldenen Eichen­kronen vor meinem Fenster am Bayreuther Festspielhügel ent­blättern sich zu dunkel drohendem Gewirr.

Endlich höre ich an einem dumpfen Sonntagmorgen draußen ihre helle Stimme. Wir liegen uns in den Armen. Ja, wie siehst du denn aus?" Sie lacht. ,, Bis kurz vor die Haustür

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