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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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263
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Befriedigt stehe ich auf, aber die Meinige meint, irgendwie erscheine ihr der ganze Direktor als schleimiges Fragezeichen.

Als wir draußen im Vorzimmer mit seiner Sekretärin über die Niederschrift sprechen, frage ich so nebenher, in welchem Lager ihr Direktor eigentlich gewesen sei. Die bieder-adrette Bayreutherin macht ein Gesicht, als hätte sie die benachbarte Essigfabrik austrinken müssen.

Es dauert drei Wochen, bis mir dieses Gesicht verständlich wird. Also was höre ich als neueste Zeitsensation? Gestern hat die amerikanische Geheimpolizei unsern Herrn Direktor verhaftet, er sitzt jetzt in seinem eigenen Zuchthaus, aber nicht mehr bei Schnitzel und Spargel, sondern eingeschlossen in der Einzelzelle.

Aber einen alten KZ-ler! Was hat er denn schon wieder aus- gefressen? In Ungnade wegen einer Bagatelle?

Meine verehrten Zeitgenossen, halten Sie sich fest. Der Herr Direktor war niemals KZ-ler, er war zuletzt Staatsanwalt beim Volksgerichtshof !

Und was tat er, was verbrach er? Er ließ ein paar Tage vor unserer Befreiung durch die Amerikaner in unserm Gefängnis- hof politische Gefangene erschießen, die einige frischgelegte Hühnereier im Hof gefunden und ausgetrunken hatten. Das sollte Plünderung sein.

Jawohl, meine Zeitgenossen, genau so war es! Die Amis waren auf den geschniegelten Terroristen reingefallen, ‚weil er einmal als Student in Amerika ihre education genossen hatte,

Ach, so schwankt dieses Menschenreich zwischen Leichenhalle und Lachkabinett! Aber unsere wackern Amazonen lachen nicht, sie kämpfen mit den Tränen weiblicher Empörung. Rot glühen die Herzen auf den Straßen von Ravensbrück nach Bayreuth .

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