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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Aber ehe ich die Wiedergefundene ganz zurückerobern kann, muß ich mich dem Chorus der andern politischen Amazonen bekannt machen. Sie umstehen mich mit unverhohlener Neu­gier, mit jener naiven Offenheit, die nur unter Schicksals­geschwistern möglich ist. Für manche bin ich gewissermaßen schon ein alter Bekannter. Worüber sollten sich auch die ge­fangenen Frauen unterhalten, sie bangten um ihre Männer mehr als um sich. Also das bin ich nun, so sehe ich also leibhaftig aus nein, sie hätten sich mich ganz anders vorgestellt, viel­leicht als Verschwörer mit schwarzem Spitzbart. Aber sie nehmen auch meine illusionslose Existenz in Kauf und wollen sich nach alter Knastsitte durch ein paar kleine Gastgeschenke beliebt machen; so komme ich im Handumdrehen zu einem Taschenspiegel, einem Drehbleistift, einem Schlips und einem hartgekochten Ei.

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Alle Lebensalter vom ausgekrochenen Backfisch bis zur Matrone sind vertreten, aber wenn ihnen eines gemeinsam ist, so dürften das die politischen Temperamente sein. Und doch kommt es mir vor, als sei der Sinn fürs Häusliche und Gemüt­liche in diesem Lagerschuppen, der nur Strohsäcke und rohe Schemel bietet, besonders nett entwickelt. Das Leben besteht ja, wenn die Schicksalsräusche verfliegen, wieder aus hundert kleinsten Kleinigkeiten.

Mit einem Bändchen, einem Blümchen, einem Liliputkissen und irgendeinem Porzellantorso haben sie die nackte Armut behaglich gemacht. Schon dampft vor mir im Blechnapf eine heiße, süß- würzig duftende Suppe, und im Eierbecher gibt es hinterher zum Anstoßen sogar etwas Alkoholisches, ein geheim­nisvolles Gemix aus den Resten, die von fröhlichen Anbiede­rungsversuchen der Ami- Garde vor dem Tore übriggeblieben

sind.

Wenn meine Frau den Mund mit lebhaften Sprechgebärden öffnet, macht ihre Zunge jedesmal eine drollige Eskapade, sie hat ja ihre Vorderzähne auf dem Altar der Freiheit geopfert. Aber ein dentistischer Künstler, den sie während der donnernden Bayreuther Schlußkatastrophe unten im Lazarett erwischt hat, will ihr ganz fix die ,, dritten Zähne" wachsen lassen.

,, Sagen Sie, Herr Doktor, ich werde doch spätestens nächste Woche nach Berlin reisen können?" fragt die elegant- nervöse Dame neben mir, die sich eben aus dem Bettbezug des Zucht­hauses ein kokettes Röckchen geschneidert hat. Ich mache wohl ein ziemlich verblüfftes Gesicht.

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