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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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nengelüste, er ist ein Narr, der sich an seinen eigenen Gehirn­fäden aus dem Morast ziehen möchte. Abscheulich sind die kranken Grimassen. Dieser Tollhäusler scheint ein verkorkster Militarist zu sein, der vor dem Selbstmord fürs Vaterland die Flucht ergriffen hat, er ist wohl in alle Lügen und Barbereien verfilzt, die dieser Zeit im kranken Zellengewebe sitzen.

Jetzt macht er einen schleicherischen Schritt auf mich zu, er scheint zu grinsen, daß ihm die Kiefern klappern. Jetzt kracht es in seinem ganzen Gerippe, als wolle er mich in seinen bevorstehenden Zusammenbruch hineinreißen.

,, Machen Sie gefälligst Platz, mein Herr." Warum bin ich zu dem mißratenen Anti- Ich so höflich?-

Die Erscheinung vergräbt die Hände im schmutzigen Lazarett­kittel und fährt sich hysterisch ins struppige Haar. ,, Spiele dich bloß nicht auf, mein Junge", höhnt das Anti- Ich. ,, Du willst jetzt was Besseres sein, weil sie dich wieder laufen ließen. Du wirst in der Freiheit doch bloß wieder Dummheiten machen und mit dem nächsten Gewalthaber Krach kriegen. Es wäre schon besser gewesen, die Nazis hätten dir noch das faule Köppchen vom Wirbel rasiert und sich nicht von dir bemogeln lassen. Du bist ausgerissen, du Drückeberger! Bilde dir nur nicht ein, du könntest jetzt als Gottes Ebenbild den Sieger über die Finsternis spielen. Aber du bist noch immer gefesselt, auch wenn du die Fesseln nicht siehst, du bleibst ewig in der Zwangsjacke, und du entkommst dem Irrenhaus nicht, auch wenn es sich weitet, auch wenn du tausend Kilometer Spielraum kriegst und wenn Mil­lionenmassen mitspielen. Denn wir alle sind arme Schizophrene, von oben bis unten zerspalten, in Hälften zerrissen. Heute manisch, morgen depressiv, heute Helden, morgen Feiglinge, heute verhungert, morgen übersättigt, heute Nazis, morgen Friedensapostel. Wo willst du hin, nach links oder nach rechts, nach vorn oder hinten? Laß dich begraben, aber lege dich gleich in zwei Särge, damit die eine Hälfte nicht heimatlos weiter­spukt. Auch Deutschland ist in Teile zerrissen wie deine Ge­danken. Willst du mit dem einen Fuß im Westen und mit dem anderen im Osten stehen, du Doppelmensch ohne Land, du Zwitter des Schicksals!"

Ein scharfer Windstoß fährt mir in die Kniekehlen und reißt mir die Beine auseinander. Auf beiden Seiten des Hohlweges flattern Wolkenfetzen am zerrissenen Himmel. Gespaltenes Fichtenholz liegt hüben und drüben aufgebahrt. Soll es das Holz für meine beiden Särge sein? Soll meine Doppelexistenz

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