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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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aber dann schlagen sie sich doch lieber den Schädel ein. Diese politische Unreife auch bei den politisch aktiven Naturen wirkt erschütternd. Der Faschismus ist tot, es lebe irgend­eine neue Unvernunft. Spaltpilze des Mißtrauens breiten sich aus, die heimliche Verdächtigung wütet. Traut ihm nicht, er ist noch schlimmer als ein Nazi! Ach, wie sind wir bitterböse geworden!

Wir haben keine Farben, keine Fahne. Das Hakenkreuz ist zerbrochen. Keine Fahne könnte sich durchsetzen, die rote ist ja international. Daher beschließt die deutsche Gruppe, ein rotes Band im Knopfloch zu tragen. Ein rotes Protestbändchen. Es soll nur Protest gegen Hitler sein.

Wo bleibt die Nation? Nur die Sprache vereint uns und das trübe Wissen um die Fragezeichen.

Die Österreicher fallen als erste ab, sie werden wieder Aus­länder mit einem rot- weiß- roten Farbenband auf der Brust. Elsaß- Lothringer schlüpfen jetzt wieder bei der Trikolore unter. Es lohnt sich. Eine französische Liebesgaben- Kommission ist da, die sie unter ihre Fittiche nimmt. Bald sieht man sie mit einer Champagnerflasche und einer Dose Erdbeerkompott unter den Armen als jüngste Glieder der vereinten Nationen einher­ziehen. Zuchthäusler mit Sektpulle, das muß doch photo­graphiert werden!

Am Abend stiftet mir ein netter, schon etwas feuchtfröhlicher Straßburger von seinem Überfluß; aus der großen Zinktube quillt aber nicht etwa seine heimische Gänseleber, sondern voll­fetter Tilsiter Käse aus meiner ostpreußischer Heimat.

Bei der deutschen Gruppe zu bleiben, ist jedenfalls in diesen Wochen äußerst unvorteilhaft. Wer kann sich sonst noch aus dem Staube machen? Luxemburger, Memelländer und Danziger verlassen das scheiternde Schiff, das sich nur mit einer anti­faschistischen Oppositionsfahne beflaggen kann. Wann wird sich der Flensburger absetzen und wann die Bayern ?

Vorerst erleben die deutschen Politischen einen krassen Rückfall in die Knechtschaft. Die Reibereien mit den Tschechen hatten sich allmählich verschärft. Hundert Kleinigkeiten stauen sich schließlich zu einer Affäre zusammen.

Unsere deutschen Obleute begehren auf, im Schloßhofe steigt eine stürmische Protestversammlung der deutschen Gruppe, die zündenden Reden sind ehrlich, aber nicht diplomatisch. Da zwirbelt der Zuchthauskommandant, ein Oberleutnant aus Prag , sein schwarzes Schnurrbärtchen: Ich werde euch Deutschen

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