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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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mehrere von ihnen die Gefangenenküche, also uns, bestohlen haben, denn die Zwanziggramm- Packungen mit Butter, die man uns seit drei Wochen entzogen hat, finden sich pfundweise in Haufen unter den Privatvorräten unserer früheren Peiniger vor. Solchen Leuten gegenüber, die sich an unserer ärmlichen Nah­rung mästeten und mitleidlos unsere Hungerqualen ansahen, braucht man nicht zimperlich zu sein. Da können sie auch noch ein paar Gläser mit eingemachten Früchten hergeben, denn der Himmel hat auch für uns im vorigen Jahr die Kirschen reifen lassen.

Nachmittags öffnen uns die tschechischen Herren den alten Schloßhof als Lustgarten. Nun kann ich also wieder auf kul­turelle Entdeckungsreisen gehen; ich tue es mit Andacht.

Die stolz geschwungene barocke Freitreppe zum Haupt­geschoß des Mittelschlosses ist mir jetzt nicht mehr verwehrt. Ich blicke durch die hohen Fenster über der Empore in den reichgegliederten Festsaal, dessen weiße Stuckwände mit über­raschender Reliefperspektive in das Deckengemälde münden, das eine klassische Apotheose im Geschmack der unbeschränk­ten Potentatenzeit vor zwei Jahrhunderten darstellt.

Um Sinn und Zweck dieser hochfürstlichen Schöpfung ganz zu erfassen, muß ich erst einen kleinen Einbruch in die Biblio­thek verüben. Der Bücherkundige merkt schnell, daß sie seltene Schätze birgt, die sich sonst niemals den ,, Büẞern" so hießen unsere Vorgänger hinter den Kerkertüren Belehrung und Vergnügen erschlossen.

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Da fällt mir gleich ein schöner alter Band in die Hände, in Bayreuth gedruckt anno 1750 ,,, Beschreibung des im Fürstenthum Bayreuth zu sanct Georgen am See errichteten Zucht- und Arbeitshauses, auf Befehl einer hohen Depu­tation abgefaßt von Adam Chriftof Riedel, der Zeit Pre­digern daselbst".

Markgraf Georg Wilhelm von Brandenburg- Bayreuth fühlte sich gedrungen, im Geiste der beginnenden Aufklärung ein Zucht- und Arbeitshaus in seiner künstlich gezüchteten Lieb­lingsresidenz St. Georgen bei Bayreuth zu errichten. Das war im Jahre 1713. Bald wurden die ersten ,, Züchtlinge" in dem klosterähnlichen Neubau eingekerkert. Georg Wilhelm , ein Autokrat von reinstem Wasser, gab sich ähnlich wie sein despo­tischer Nachfahr Adolf Hitler den fragwürdigsten Neigungen auf Kosten seiner Untertanen hin. Er erweiterte den Fisch­weiher am Stadtrande von Bayreuth zu einem schiffbaren See,

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