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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
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ließ sich von ausländischen Ingenieuren kleine Schlachtschiffe für diesen See bauen, schaffte sich eine prächtig kostümierte Matrosengruppe an, die nun auf diesen Gewässern gewaltige Seeschlachten aufführen mußte, bei denen die Kanonaden dem schaulustigen Hofe zugleich ein großartiges Feuerwerk à la mode boten. Am Seeufer entstand das Märchenschloß St. Georgen mit phantastischen orientalischen Motiven, wie ge­schaffen als Lustsitz für die markgräfliche Maitresse. Doch übergehen wir seine landesväterlichen Orgien diskret.

Mich persönlich interessiert an den Beschreibungen des weiland Predigers Riedel besonders die Stelle über die mark­gräfliche Zuchthauspädagogik, wo er von ,, verstellten Krank­heiten und deren Heilung" spricht. Auf die Simulanten hat er es ganz besonders abgesehen.

,, Da wir hier der Verstellung gedenken", schreibt er stolz und weise ,,, so wollen wir davon sogleich melden, daß solche aufs genaueste erforschet und geprüfet wird. Vielen weiß der Geist des Betruges auch hierher ins Zuchthaus dermaßen nach­zufolgen, daß sie der Arbeit und gerechter Bestrafung durch erdichtete Krankheiten und Leibes- Zufälle entgehen wollen. Diese hatten eine außerordentliche Geschicklichkeit, so oft sie wollten, in Wahnsinn zu verfallen, den aber der ietzige Zucht­haus- Verwalter oft wieder zu heilen wußte.

Eine im Jahre 1742 puncto Adulterii( wegen Ehebruch) sich hier befindliche Manns- Person wußte vornehmlich diese Krank­heit nach eigenem Belieben anzunehmen. Weilen aber die eigentlichen Merkmahle dieses Übels nicht vollkommen bei ihm wahrzunehmen, hat der Verwalter eine unterlaufene Betrigerey billig besorget, und ihm den im Zuchthaus üblichen modum, dergleichen verstellte Krankheiten zu heilen durch einen seiner Cameraden heimlich eröfnen, zugleich aber vor fernrem Be­trug warnen lassen.

Bei fortdauernder Bosheit, da auch die Drohungen und Vermahnungen des Geistlichen aus Gottes Wort nichts fruch­ten wollten, bohrt man ihm einsmals, auf eingelaufener gnädigster Erlaubnis, mit einem spitzigen instrument in die Fus- Sohlen, darauf er sogleich über Schmerzen klagete und sich aufrichtete.

Er verfiel aber zugleich auf den Teufel, welcher ihm in seiner schrecklichen Gestalt erscheine, und solche abentheuerliche Be­wegungen mit seinem Leib vornähme. Weilen nun des Predi­gers Vermahnungen nichts fruchten wollten, wurde auch diese

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