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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Schon haben wir einen Becher Mokka in der Hand, es ist tatsächlich echter Bohnenkaffee. Wie das duftet und munter macht! Und weil wir so begeistert schlürfen, wird uns auch noch ein breakfast für morgen früh als Konservenbüchse in die Hand gedrückt. ,, Thank you very much, good bye."

,, So, und jetzt wollen wir doch mal nachsehen, was unser altes, liebes Zuchthaus macht. Ich bin ordentlich neugierig!" , Gemacht", nickt der Arzt. ,, Es ist auch Zeit, daß man nach dem langen Tage wieder in sein Hotel kommt."

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,, Es war ein heißer Tag, und siegreich war er auch", be­stätige ich. ,, Übrigens war es der weitaus kürzeste Feldzug meines Lebens."

Als wir das Zuchthaus- Hotel erreichen, steht dort gewisser­maßen als Portier der neuen Bewirtschaftung ein kleiner Knirps in schwarz- gelber Gefangenenuniform und schlenkert mit einem gewaltigen Gummiknüppel. An dem schiefen Krätzchen trägt er eine rot- weiße Schleife, um den Arm eine rot- weiße Binde, und in der Linken rasselt der große Schlüsselring. Er fuchtelt mit dem Szepter aus Hartgummi, dem Zeichen seiner neuen Amtsgewalt, und schüttelt unwillig das Haupt. ,, Nix daitsch."

Sind wir schon so weit? Nix daitsch? Das ging etwas schnell! Dr. M. spricht ihn auf tschechisch an, sofort salutiert er mit der Gummiwaffe und reißt beflissen vor uns den Tor­flügel auf.

Während wir noch den letzten Feldzug gegen Brot und Schmalz führten, haben nämlich die Tschechen, die kompakte Mehrheit der Zuchthausgefangenen, mit amerikanischer Erlaub­nis die Leitung des Zuchthauses übernommen und alle Macht an sich gerissen.

,, Dann sind wir also jetzt Gefangene der Tschechen ", stelle ich gottergeben fest, als wir die Treppe zu unserem ,, Hotel­zimmer hinaufsteigen.

Dr. M. verdreht ein wenig die Augen und seufzt: ,, Wenn man sich alles so richtig überlegt, ist die Welt doch ein ziem­liches Affentheater!"

Noch ist der Kampf um den Kopf nicht restlos bestanden. Nach Mitternacht geht es draußen in den Bergen mit Sperrfeuer los. Am Himmel treiben sich viele verdächtige Nachtschwärmer rum. Und in der Stadt sollen Geister des Aufruhrs, der echten Sabotage und der leeren Unruhe, ihr Unwesen treiben. Die Nazis sollen ihre geheime Terrororganisation, den ,, Wehrwolf", mobil gemacht haben.

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