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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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tigen Zivilisten, zu deren angeblichem Schutz die dummen Jungen sich in den Kampf eingemischt haben. Ein sterbender alter Mann, ein paar verletzte Halbwüchsige sind der sinnlose Erfolg dieser fanatischen Soldatenspielerei beim bittersten Ende. , Wir besetzen jetzt die Hustenburg", empfiehlt Dr. M., den es in sanitäre Regionen zieht. Die Hustenburg ist das nazi­amtlich mit dem bombastischen Namen ,, Gesundheitsburg" ver­zierte Heim der NSV, das im Kriege als Reservelazarett dient. Der langgestreckte Bau liegt unter uns auf halber Höhe des Waldsaumes, vom Dache blutet das rote Kreuz als riesige Fürbitte.

Als wir eilig in die Auffahrt biegen, sehen wir schon einen amerikanischen Panzer auf der Rampe halten. Hurra, hurra! Drüben auf der Turmbalustrade von St. Georgen hängt die weiße Fahne der Kapitulation, das Gefecht verzieht sich in letzte Winkel an den Straßenausgängen. Nahe der Bahnlinie brennt ein Tank, von einer letzten deutschen Panzerfaust ge­troffen, mit gelblicher Stichflamme in der Pappelallee.

,, Sind wir jetzt eigentlich Gefangene?" fragen uns zwei nette blau- weiß geschürzte Lazaretthelferinnen, die wir um ein Stückchen Brot anbetteln, weil wir die Begierden in der Magen­gegend nicht länger unterdrücken wollen. Wir erklären sie vor­läufig für unsere Privatgefangenę, sie dürfen sich höchstens loskaufen, aber sie haben nur ein Stückchen Zwieback in der Schürze.

Um uns zur Feier des Tages ordentlich den Bauch zu füllen, dringen wir in den Pferdestall, in das warmduftende Gemach des Milchgauls ein und borgen uns aus dem Vorrat des Krippen­setzers ein paar Futterrüben aus. Verwundert schaut der alte Grauschimmel zu, er sah wohl niemals Angehörige der zwei­beinigen Herrenrasse sich auf sein Pferdefutter stürzen.

Was nun? Wir treiben im Strome des Umschwungs. Auf der Straße nach St. Georgen drängen schon die Heimkehrer zu Tal. Bürger und Zuchthäusler haben sich einander zugesellt, als müßte das so sein, als hätte es nie die strenge moralische Absonderung gegeben.

Schon hört man die ersten offenen Herzensbekenntnisse gegen Hitler . Was verkrampftes Konjunktur- Geschimpfe und was ehrliche Absage ist, läßt sich natürlich nicht unterscheiden. Jedenfalls möchte jetzt keiner als Nazi außer Diensten zur Partei der Besiegten gehören. Jeder ist plötzlich vom Unsinn dessen überzeugt, was er bis heute agierte. Die Hakenkreuz­

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