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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Im Morgengrauen des Donnerstag erreicht uns das erste verworrene Geräusch des Kampfes auf der Mutter Erde. Ab­schüsse bellen auf, und Einschläge lärmen kurz hinterdrein, der Erzmund der Kanonen. Ich schätze, da der Schall ungefähr mit der Windrichtung kommt, die Entfernung noch auf fünf­zehn Kilometer.

Bayreuth ist kein strategisch wichtiger Punkt. Was die Amis zur Eile treiben könnte, wäre die Verjagung des Gauhäuptlings und die Befreiung der politischen Zuchthausgefangenen. Natür­lich wissen sie, daß der Volksgerichtshof seinen Vorrat an Opfern in Bayreuth geborgen hat.

Was wird aus dem Gefängnis des Landgerichts geworden sein, wo die Frauen sitzen ,,, unsere Damen"? Der Bau liegt wie ein altes Herrenhaus tausend Schritt von unserer Anstalt ab. Gerade in dieser Richtung schienen die schlimmsten Himmelsspenden zu fallen.

Aus sorgenvollem Sinnen reißt mich die Stimme eines Wacht­meisters: ,, Schultze- Pfaelzer, die Anstaltsleitung läßt Ihnen mitteilen, Ihre Frau ist gerettet!"

Der Himmel ist uns also gnädig gewesen. Aber das heißt doch, daß andre, womöglich die meisten, nicht gerettet sind! Wie steht's damit? Aber der Mann ist schon wieder fort. Die meisten Wachtmeister halten sich seit gestern nicht länger als unbedingt nötig bei uns auf. Sie verschwinden, sobald sie ihren dienstlichen Auftrag erfüllt haben, sie wissen nicht, was tun.

Noch sind wir durch den Engpaß der politischen Gefahren nicht durch. Noch kann jeden Augenblick von oben her der Befehl kommen, uns noch schnell ins Land des Schweigens zu befördern, so will es das böse Staatsgewissen. Wahrscheinlich ist dieser Befehl schon da. Vielleicht wird unser ganzes Trach­ten und Harren zuletzt vergeblich sein.

Schon wieder rasieren wir uns, als müßten wir für alle Fälle zum Empfang gerüstet sein. Aber wir fühlen dabei deutlicher: so billigen Kaufes gibt uns das Schicksal nicht frei.

Nachmittags neuer Luftalarm, die Sirene röchelt nur, als sei sie schwer verwundet. Zum ersten Male seit den anderthalb Jahren Haft darf ich vor der Bombengefahr in Deckung gehen. Wir sollen uns in eine beliebige Zelle des Untergeschosses auf Gastreise begeben.

Der Raum, den ich betrete, ist schon ziemlich gefüllt. Es sind Litauer, ich habe sogar eine ganze litauische Exil- Regierung vor mir. Sie wollen wohl gerade Kabinettssitzung abhalten,

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