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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Aber der Herr Werkmeister hat jetzt irgend was läuten hören:., Welcher Höllenhund hat da eben geschwatzt?" Ein Vorwitziger wagt es, den Herrn Werkmeister etwas zu frozzeln. ., Herr Direktor", sagt er ,,, ich meinte, der Krieg dauert noch fünf Jahre und endet bestimmt mit unserm totalen Siege."

,, Ihr sollt eure Goschen halten, ihr Deppen", antwortet der Werkmeister unwillig. ,, Ich trau euch Mordsviechern nicht, ihr Spitzbuben, ihr denkt wohl, jetzt kämt ihr frei. Wenn erst die neuen deutschen Waffen raus sind, dann hört die ganze Sau­wirtschaft auf."

Ja, die ,, Wuwas", die Wunderwaffen, sie sind jetzt die dunk­len Dämonen in diesem Vorfrühling.

Unser Forstkommando setzt sich aus etwa fünfzig evakuier­ten Berliner und Breslauer Gefangenen zusammen. Die Bres­lauer haben unterwegs nicht weniger durchgemacht als wir Flüchtlinge aus Berlin . Sie wurden in kleinen Trupps auf Transport gebracht und haben auch wirklich haarsträubende Dinge erlebt. Eine Gruppe war nach Lauban , in die Stadt der Taschentücher, umquartiert, als die Russen dorthin über­raschend vorstießen. Der Weitertransport mußte zu Fuß er­folgen, aber die Kranken und Schwachen sollten unter keinen Umständen lebend zurückbleiben. Der Ortsgruppenleiter gab bei der Räumung die Weisung, alle nicht marschfähigen Ge­fangenen zu erschießen. Es waren vierzehn Mann, die nicht weiter konnten, darunter mehrere Greise und Krüppel.

Der Wachtmeister, der die Erschießung im Gefängniskorridor mit seiner Dienstpistole vornahm, weilt heute auf der Forst­kultur unter uns, unser Werkmeister hat ihn zu seiner Unter­stützung mitgenommen.

Wie sieht ein vierzehnfacher Mörder, der sich schönster Freiheit erfreut und uns brave Zuchthäusler bewacht, eigentlich aus? Nun, es geht ihm vorläufig im Schutze des Dritten Reiches ausgezeichnet. Er trägt eine flottgeschwungene Mütze mit goldenem Hakenkreuzadler, er ist wohlgenährt, seine hohen Stiefel blinken blankgewichst. Eben schneidet er sich bedächtig mit dem Taschenmesser ein Scheibchen Speck und legt es sorg­lich auf die Brotschnitte. Und niemand würde ihn für einen vierzehnfachen Mörder halten, denn er gibt sich bedächtig und wohlwollend. ,, Überanstrengen Sie sich bloß nicht", sagt er zu mir, als ich einen Haufen Sträucher auf die Schulter wuchte, ., Sie sind nicht mehr der Jüngste." Kein Zweifel, der Mörder ist besonders nett.

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