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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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ich gar nicht. Der eine ist ein ungebärdiger Seemann, der im hohen Bogen durch die Zelle spuckt und vortrefflich zu zielen weiß. Er versucht seine Spucke in den Spion zu lancieren, so­bald sich dort ein Wächterauge blicken läßt. Der andere ist ein herkulischer Pferdeschlächter, der mir immer wieder erzählt. daß er früher sechzig gekochte Eier in einem Niedersitzen essen konnte. Die Eier scheinen noch heute in seinem Leibe Gas­anstalt zu spielen, und dagegen hilft keine Politik. Um des faulen Friedens willen bin ich still, auch wenn sie mir beim Kartoffelempfang die drei fleckigsten hinlegen.

Endlich werden wir wieder einmal umquartiert, und ich komme jetzt zu meiner Freude mit meinem guten, alten Tat­genossen Klaus zusammen, ein schöner Zufall, der gewiß nicht im Sinne des Erfinders der Strafprozeßordnung lag.

Klaus kann sich mit dem tschechischen Kalfaktor auf russisch unterhalten, sie haben sich infolgedessen angebiedert, und das glückliche Resultat ist eine ganz neue Zeitungsnummer, Bay­reuther Kurier vom 5. März 1945, die er triumphierend unter der Strickweste vorzieht.

Die amtlichen Wehrmachtsberichte werden jetzt immer mehr zum schwatzhaften Gestammel. Abwehrsiege nach rückwärts sind an der Tagesordnung, Kraftworte überdröhnen vergebens die Ohnmacht.

Wenn man die Schwaden der Ausflüchte wegbläst, so ist der deutsche Westwall an drei Stellen durchbrochen, zwischen Wesel und Bonn dringen die anglo- amerikanischen Heeressäulen auf das Rheinufer vor. Der Weltgeist bläst zum letzten Sturm. Die Rache rollt heran, wenn auch nicht mit den Siebenmeilen­stiefeln der Gefängnisphantasien. Die Weltgeschichte mar­schiert unaufhaltsam gegen Hitler- Deutschland.

Es ist ein Vormarsch dialektischen Geschehens, der einzige Weg zur Rettung, die wir glühend herbeisehnen. Und doch preßt sich mir das Herz zusammen, wenn ich miterlebe, wie man Deutschland zerschmettern muß, um die Deutschen zu retten.

Die Sirenen heulen auch hier Alarm, sie tun es mehrfach am Tage, doch nichts geschieht, weder kommen die Bomber, noch steigen die Leute in die Luftschutzkeller. Es ist, als ginge der ganze Luftkrieg die Bayreuther nichts an, sie wissen nur vom Hörensagen, was moderne Bomber bedeuten.

Klaus und ich spielen mit blauroten Frostfingern, in die Decke gewickelt, Schach. Wenn er mich beinahe besiegt hat,

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