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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Wissen Sie, man sollte fliehen", murmelt er düster mit ver­schränkten Armen. ,, Wenn man nur wüßte, wohin! Gibt es noch irgendeine Lücke, durch die man entkommen könnte?" Grüblerisch verliert er sich in seine Seufzer.

Wohin wir jetzt wirklich fliehen, ist eigentlich die wichtigere Streitfrage. Das Zuchthaus Brandenburg hatte uns mit kame­radschaftlicher Erbsensuppe begrüßt, aber unsere ausgehunger­ten Mägen weit unterschätzt. Zum ersten Male sah ich die offizielle Zuchthausuniform des Hitler- Reiches, schwarzer Rock mit gelbem Ärmelbalken und breiten gelben ,, Generals" streifen an der Hose.

Gelb ist die Farbe der Seuchenflagge, ein internationales Schrecksignal. Gelb ist das Signal der Schmach für Juden und andre Ausgestoßene. Aber die Schandfarbe leuchtet für politische Dulder zuletzt wie der goldene Schmuck auf einem Ehrenkleid.

Wir sollen in das anhaltinische Zuchthaus Coswig an der Elbe gepfercht werden, wenn die Anstalt noch irgend Platz schaffen kann. Freilich drängen sich die Transporte aus allen kriegsbedrohten Räumen nach Mitteldeutschland zusammen, und vielleicht bleibt für uns nur Notasyl in Schnee und Schlamm oder der verläßlichste Gewahrsam einige Klafter unter der Erde.

Unsre Arche Noah liegt im wässerigen Vormittagsdunst in den Kanalschleusen vor Magdeburg . Aus rauchiger Ferne starren die dürren Schlote der Industrie. Da setzt das anglo­amerikanische Bomben- Unwetter in rollenden Schlägen ein. Die Schiffswände dröhnen und schwanken. Fontänen zischen. Die Wasser klatschen und strudeln. Nun sind wir auch noch in eine Seeschlacht geraten. War das ein Volltreffer? Wir taumeln im orkanischen Untergang. Unser Eisenkahn scheint sich erst nach vorne aufzurichten, dann auf die Seite zu legen. Durch die berstende Luke schäumt grüner Gischt. Bald wissen wir, daß eine Schleusenkammer getroffen ist. Wir werden nun wohl gut und gerne noch zwei Tage länger hier herumliegen, natürlich ohne Suppe und vielleicht wieder ohne Trinkwasser. Aber dafür sind die Wasserratten in Aufruhr geraten.

In dieser Nacht an der toten Schleuse kommt die Debatte über das deutsche Drama vom 20. Juli 1944 in Schwung und macht die Köpfe, die schon längst von Erkältungsschauern ge­schüttelt sind, noch heftiger erglühen.

Frage an das Schicksal: Soll man die berühmte hitlerianische

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