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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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späht, ein unschuldiges Kind, es weiß noch nichts vom bösen Nazikrieg, hält wohl die Bomben für Naturgewitter. Ein reines Kind trippelt über die sündige Erde; mir ist feierlich und einen Augenblick fast rührselig zumute, ich sah so lange kein Kind!

Stinkend und ächzend springt ein schlecht gespeister Motor an, der Lastwagen wackelt, als wolle er bald in sich zerfallen. ,, Rauf mit euch", brüllt die Schergenstimme. ,, Wer sich auch bloß einmal umdreht, wird sofort erschossen." Wir rücken zu­sammen wie Fischkonserven, schauen einander forschend in die hohlwangigen, unrasierten Gesichter.

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, Wo soll das hingehen?" Achselzucken. Einer will natürlich wie immer über alles Bescheid wissen. ,, Berlin wird geräumt. Die Russen sind im Anmarsch. Wir sollen bei Straußberg Panzersperren bauen." Unsicheres Kopfschütteln.

,, Du auch politisch?" ,, Aber Kinder, da scheinen wir hier - ,, Du auch Volksgericht?"- ,, Na ja alle politisch zu sein!"- klar, Volksgericht! Sogar erster Senat!" ,, Dann hat dich wohl auch der Freisler in der Mache?"

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,, Hatte, willst du wohl sagen, der Bluthund beißt nicht mehr." ,, Nanu, ist Freisler denn inzwischen selbst ver­schütt gegangen?"- ,, Der läßt keinen mehr hängen und köpfen. Vor vier Tagen, am 3. Februar, am vorigen Sonnabend also, bei dem großen Tagesangriff auf Berlin , ist der Herr Präsident samt seinem Mordladen total zerbombt. Der Freisler soll wie eine Fackel gebrannt haben! Ein Inspektor der Belle­vuestraße hat es gleich mittags einem Anwalt erzählt."

Grabesstille, auch der Atem schweigt. Wir fühlen uns als Ohrenzeugen des Schicksals. Freisler's Ende ist ein Gottessignal.

Der Lastwagen schlingert in den notdürftig zugeschütteten Bombenlöchern der Straße, wir purzeln durcheinander, es ist, als schaukeln wir in den großen Kurven des Geschehens. In meinem wachen Gehirn rotiert ein bißchen Geschichtsphilo­sophie. Die großen forensischen Henkersknechte der Welt­geschichte sind niemals alt geworden. Freisler war Hitlers böser Schatten. Wann holt die Hölle den Unmenschen?

,, Hast du ein Stück Zeitungspapier? Ich hab' trockne Kar­toffelschalen."- ,, Mensch, ick denke, mit dem Roochen warten wir, bis wir uns det Massenjrab jeschaufelt haben."

,, Wat denn! Wat denn!"

,, Na Mensch, denkste, die werden uns leben lassen? Den Russen ausliefern? Gekillt werden wir! Ja, wir sind nur aus­gesuchte Politische beim Transport. Hochverrat usw. Tja, wenn

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