Druckschrift 
Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
Seite
157
Einzelbild herunterladen

hüber t. Und eißbart

rüh be­stellen.

Augen­

tür zu er da."

rhaupt

hmissig egt mit gewerk

geben,

al fürs it zehn

ht der

etwas wanzig e kum­der da

e mich

null­richtig

er Herr

", sagt ,, Hier

ufe ich

,, Und

Tele­rohnau.

Als ich dort anrief, meldete sich seine Mutter. Sie läßt ihn grüßen, und sein Vater auch."

Bravo, Herr Verwalter. Sie sind ein feiner Kerl geblieben, obwohl ich bei Ihnen mit diesen neuen Touren vertragsbrüchig werden mußte. Ich darf Ihnen nicht einmal für die Übermitt­lung des Grußes danken. Denn ich befinde mich doch im hyste­rischen Dämmerzustand und verstehe Sie nicht recht-.

Jedenfalls weiß ich doch nun, daß meine lieben Eltern auch die letzten schweren Luftangriffe gesund überstanden haben.

Dr. Wernicke sinnt, er ist zur Säule erstarrt, er sinnt, und das fällt ihm nicht leicht. Mich dünkt, aus dem geplatzten Kapitäl seines Hirnes riesle der Alterskalk. Beginnende demen­tia senilis, sagt der Psychiater.

11

-

Wenn dem da seine Eltern noch leben" grübelt Wernicke und richtet das gekniffene Auge auf die Geburtsdaten meines Krankenschildes- ,, dann müssen sie doch wohl beinahe- hundert Jahre alt sein." Er sieht mich fragend an, als wenn ich ihm einhelfen solle. Kopfrechnen ist nicht mehr seine starke Seite. Er rechnet immer noch, ich darf ihm leider nicht helfen, das könnte meinen Dämmerzustand stören.

Nun gibt er das Nachrechnen auf. ,, Die müssen immerhin uralt sein", sagt er zum Verwalter. ,, Von denen wird er wohl den Klaps nicht geerbt haben. Na, jedenfalls melden Sie mal dem Herrn Obermedizinalrat, daß bei dem da die Telefonitis ausgebrochen ist."

Gut, dann werde ich wohl noch diesen Mittag vorgeführt werden, meine mimischen und geistigen Telefonanschlüsse sind heute tadellos in Ordnung. Ich will heute auch mal ausgiebig dissimulieren, nämlich Gesundheit vorschützen, obwohl ich doch nach meinem ganzen Gebaren gar nicht gesund sein kann.

Eine echte Dissimulation ist ja eigentlich angesichts meiner tatsächlichen Gesundheit gar nicht möglich, denn sie besteht darin, daß ein wirklich Kranker sich planvoll bemüht, seinen wahren Zustand zu verbergen, etwa um aus der Irrenanstalt entlassen zu werden. Kranke sind nämlich durchaus imstande, vorübergehend Gesundheit vorzutäuschen. Ein selbstbewußter Triebwille durchstößt dann also die Nebeldecke des Dämmer­zustandes und führt ein Gesundheitsspielchen auf, bis der prüfende Arzt den schönen Schein durch seine Enthüllung zerreißt.

Ich kann allerdings nur so tun, als ob ich dissimulierte. Also

157