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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Oben erwartet mich noch ein kleines Vergnügen. Kurtchen ist für gesund erklärt, ich gönne es ihm. Er soll in ein ,, Ertüch­tigungslager" kommen. Dann wird man ihn wohl bald als SS- Vorkämpfer nach Polen schicken, dazu ist er schon tüchtig genug. Jedenfalls bin ich ihn los.

Nun kann ich mit meinen Freunden Niko und Martin in meiner Zelle geheimen Konvent halten. Martins Glasauge funkelt, dahinter schwelt die Rache, er hat den ,, Dank des Vaterlandes" zu erwidern. Ein Jahr Gefängnis, weil er auf Recht und Versprechen bestand. Ich putsche ihn noch kräftig auf, denn ich kämpfe gegen diesen Gewaltstaat und brauche Verbündete.

Schon am nächsten Tage bringt mir Martin die Aufzeich­nungen Dr. Büttenbergs, er hat sie sich für eine Stunde aus dem Schreibtisch ,, ausgeliehen". Ich verschlinge natürlich das Gekritzel der schlecht leserlichen Arztehandschrift. Gewiß, ich finde nichts Überraschendes, aber ich brauche nicht erschrocken und nicht enttäuscht zu sein.

Er spricht von Zwangsneurose und Angstvorstellungen auf hysterischer Grundlage. Zwar hätte ich nach seiner Annahme einige Male absichtlich übertrieben, doch sei das bei Hyste­rikern noch kein Beweis für Simulation. Sehr wahr, theoretisch vollkommen richtig, Herr Obermedizinalrat!

In der letzten Eintragung heißt es, nun seien auch Krampf­erscheinungen aufgetreten, die allerdings merkwürdig wider­spruchsvoll verliefen.

An den Volksgerichtshof hat er geschrieben, er könne meine Verhandlungsfähigkeit leider immer noch nicht bejahen, doch hoffe er mich bis Jahresende dahin zu bringen, daß ich bei energischem Zufassen offenbar imstande sein würde, meine Sinne besser zusammenzunehmen.

Falsch, ganz falsch, Sie sollten doch eigentlich bemerkt haben, daß ich mich um so tiefer verspinne, je mehr Sie mit Kasernenkräften dreinfahren. Ich habe mich selbst in geistige Nacht gehüllt, aber Sie sind mit der allgemeinen Verblendung geschlagen. Ich enteile wie ein Spuk, und Sie treffen nur auf Ihre schmerzende Stirn.

Wir haben wieder ein amerikanisches Großgewitter am hellen Vormittag hinter uns. Ich weiß noch, daß ich meinen Rücken wie einen Katzenbuckel krumm machte, um das ein­stürzende Deckengewölbe aufzufangen. Aber es kam nicht, es

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