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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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,, Soll ich Ihrer Frau Mutter heute Ihre Glückwünsche aus­richten?"

,, Von ganzem Herzen bitte ich drum." Jetzt weiß ich, warum sie kam, sie wollte heute Botin zwischen mir und dem achtzig­jährigen Geburtstagskind sein.

Aber wie sie kam, das bleibt ihr Geheimnis. Nur einen Zipfel lüftet sie, als sie sagt: ,, Geburtstagskuchen habe ich mit­gebracht, ich habe ihn bei dem jungen Mann in der Gärtnerei abgegeben." Also über die Gärtnerei, deren Glashäuser an der rechten Seite des Lazaretts liegen, hat sie sich eingeschlichen.

Das hat sie geschafft, und keiner hat sie zur Umkehr ge­zwungen. Schließlich können doch nicht sämtliche Tegeler Beamten heute im Tran sein. Es ist wie ein Wunder. Und es wäre eine Meisterleistung für jeden Reporter. Von der Genug­tuung über dieses Bravourstück der Tüchtigkeit und Treue zehre ich noch länger als von dem Geburtstagskuchen.

Maxls Stunde hat geschlagen, er kommt in das Zuchthaus Straubing, ist wohlgelaunt und singt einige Abschiedsarien. Zuchthäuser in kleinen Orten sind beliebt, da pflegt mit ihnen ein großer Landwirtschaftsbetrieb verbunden zu sein, der besseres Futter gewährt. Maxl gedenkt sich jedoch an der Be­wirtschaftung nicht zu beteiligen, sondern wieder schwer anaemisch zu werden, er hat ja damit in Tegel soviel Glück gehabt. Warum soll man arbeiten, wenn man auch so seine Milchzulage bekommt. Und warum soll man sterben, wenn man im Notfalle im rechten Augenbick in Ohnmacht fällt! Ich drücke ihm teilnehmend die weißen, arbeitsscheuen Pfötchen, die vor dem Weißbart so fiebrig zittern konnten. ,, Sobald Sie Bürgermeister von Wien sind, schreiben Sie mir eine Ansichts­karte mit den gotischen Rathaustürmen."

Sein Nachfolger kommt einige Tage später in die Zelle, es ist ein Jugendlicher, ein schmächtiges Kerlchen mit einem durch­triebenen Gesicht. Die Filzlaus, die ihn bringt, stellt den Jüng­ling auch gleich vor: ,, Dolles Früchtchen! Schweinerei ist das! Wenn der Zicken macht, hauen Sie ihm gleich den Hintern voll."

Der Kleine antwortet, als ihm der Wachtmeister den Rücken dreht, mit Worten und Gebärden, die bedeutend unflätiger sind. Er nennt sich Kurtchen, lümmelt sich in Kleidern aufs Bett, klappert mit den Stiefeleisen und ruft: ,, Jetzt bring mir mal wat Knorkes zu lesen, so'n anständjen Krimi- vastehste."

Der Bengel ist ja gut, der kann so bleiben! Die Filzlaus

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