Zum ersten Male, seit ich im Gewahrsam des Volksgerichts bin, darf mir meine Mutter ein Freßpaketchen zustecken. Schon zweimal mußte sie es nach Hause zurücknehmen und war so traurig, daß sie selbst davon keinen Bissen nehmen konnte. Aber sie würde, wenn ihre mütterliche Gabe zehnmal zurück- gewiesen wäre, doch das elftemal wieder genau so liebevoll alles herrichten, was sie hat.
Als ich aber mit dem Päckchen beseligt nach meiner Zelle hinaufwanke, muß ich ausgerechnet der Filzlaus in die Arme laufen.„Was ist das? Was? Zu essen? Unerhört! Aus- packen!‘ Die Filzlaus wartet aber nicht ab, bis ich das blaue Schleifchen um die weiße Hülle löse, sondern reißt das Messer heraus und fährt hinein.
Die Kuchenkringelchen fallen zerkrümelt zu Boden. Seine blanke Klinge spießt einen mit Pflaumenmus gefüllten Papp- becher auf.„Schweinerei ist ‚das!“, erklärt er mit neuem Grimm in altgewohnter Ausdrucksweise. Er bohrt und wühlt in der schwärzlichen Masse.„Da können Feilen drin versteckt sein!“, erläutert er und bekräftigt noch einmal: ‚Schweinerei ist das!“
Filzlaus, Filzlaus, denke ich, wenn du nur nicht die Zwangs- neurose kriegst. Filzlaus, nimm dich in acht, damit ich dir nicht tichtig manisch komme!


