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irren Sie-sich kolossal, ich weiß haarscharf Bescheid. Die Bol- schewisten können mir gar nichts tun, Wenn Sie mir weiter zur Seite stehen, dann werden wir gemeinsam die Bolschewisten total niederkämpfen, restlos besiegen. Haben Sie keine Angst, wir beide schaffen das schon!“
Seine Stirn bewölkt sich mit Unwillen. ‚Aber, aber! Was soll das? Passen Sie doch mal auf. Lassen Sie doch die Bolschewisten aus dem Spiel. Sie sind vom deut- schen Volksgerichtshof angeklagt, weil Sie gegenüber den Bolschewisten eine ganz unbegreifliche und unerlaubte Hal- tung eingenommen haben. Das müssen Sie‘sich wieder klarmachen. Ich habe hier Ihre Anklageschrift und werde Ihnen mal was daraus vorlesen zur Auffrischung Ihres Gedächtnisses.‘
Mit schreckhaftem Aufzucken wehre ich ab.„Lassen Sie nur, Herr Geheimrat. Das ist alles geheim. Das ist streng geheim. Davon wollen wir lieber gar nicht sprechen. Sonst hört noch Moskau mit. Es gibt Wände mit eingebauten Mikrophonen. Man soll das Schicksal nicht herausfordern. Aber ich werde das Schicksal meistern, ich bin in der richtigen Stimmung. Schenken Sie mir weiter Ihr Vertrauen,- dann ist alles gut, dann wird sich alles, alles wenden.“|
Dr: Büttenberg rückt etwas näher an mich heran, in seinen Zügen mischt sich Unbehagen mit Energie und gutem Willen. „Wenn Sie mein Vertrauen wünschen, müssen Sie sich wirklich mehr zusammennehmen. Ich glaube, Sie könnten sich besser in der Gewalt haben, aber Sie lassen sich ja gehen!‘
„Gewalt, Gewalt, Herr Geheimrat‘ rufe ich mit pathetischer Armbewegung,„ich will mich in der Gewalt haben, das will ich. Aber das genügt mir nicht. Ich will gewaltiger als das Schicksal sein, Sonst gehen die Pferde des Schicksals— warten Sie, wie heißt doch das schöne Wort? Ist es von Schiller oder von Goethe—“
Während ich mit heftigem Hin und Her der Stirnfalten das Zitat suche, macht sich der Obermedizinalrat auf einem großen, weißen Bogen Notizen, was ich mit Befriedigung feststelle. Er nimmt mich also genügend ernst, oder genauer gesagt, genügend unernst.
Aber ich darf mich tatsächlich keinen Augenblick gehen lassen, tue es auch durchaus nicht, ich muß mich in meiner Rolle sattelfest halten. Denn plötzlich begegne ich dem kontrollieren- den Blick des Arztes. Wollte er mich überraschen, ertappen,
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