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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
Seite
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was los sei. ,, Nein, ich wußte überhaupt nicht, wie die Pflau­men in meinen Rucksack gekommen sind!"

Der wissenshungrige Schlenk will hören, was es mit der ,, Sprekotz"-Krankheit für eine Bewandtnis habe. ,, Sprekotz" wer hat eine Ahnung von ,, Sprekotz"? Franz meint, es sei lateinisch. Aha, er soll doch mal vorschriftsmäßig verrückt gewesen sein.

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Also praecox also Dementia praecox, das sogenannte Jugendirresein! Das ist es, bestätigt er. Das habe er ja auch schriftlich bei seinen Papieren, es hätte ihm schon eher ein­fallen können. Und die Papiere führt er sogar in seiner blauen Kalfaktorhose bei sich.

Das letzte Gutachten ist erst einige Monate alt, die Heil­und Pflegeanstalt in Wittenau hat es ausgestellt. Ich lese: ,, Der kriegsbeschädigte Unteroffizier und städtische Krankenpfleger Franz K. ist hier vierzehn Tage lang auf seinen Geisteszustand untersucht worden. Nach den Akten hat er von 1918 bis 1920 an Dementia praecox gelitten und ist dann als geheilt entlassen. Er hat eine geringfügige Verminderung des Denkvermögens zurückbehalten. Für den ihm jetzt zur Last gelegten Diebstahl ist er jedoch verantwortlich zu machen."

,, Ja, mein Lieber, der ersehnte Jagdschein ist das nun gerade nicht", bemerke ich mit Bedauern. ,, Was hat man dich bei der Untersuchung in Wittenau denn eigentlich gefragt?"

Franz gibt mit einer geringfügigen Verlangsamung des Denk­vermögens Auskunft: ,, Was er mich gefragt hat, ja- was hat er mich gefragt. Sagen Sie mal, hat er gefragt, wie denken Sie denn so über den Krieg? Ich wollte eigentlich was Dämliches sagen, aber dann traute ich mich doch nicht; ich weiß nicht mal, ob ich wirklich Angst hatte, na jedenfalls sagte ich ich denke, sagte ich, daß wir siegen werden!"

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Wir lachen. Theo gestikuliert mit seinem. linken Daumen. ,, Du Schafskopf, das ist zwar eine ganz gewaltige Verminde­rung deines Denkvermögens, aber den Examinatoren des Drit­ten Reiches mußte die Antwort als völlig normal erscheinen!"

,, Damals, als du die praecox hattest, wie war das?", fragt Schlenk als Studiosus der Geisteskrankheiten. ,, Hast du auch den wilden Mann gespielt?"

Franz nickt träumerisch, ja, er habe auch manchmal getobt und sei dann mit der scheußlichen nassen Kompresse gewickelt worden.

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Ich überprüfe mein altes Buchwissen von der Dementia