a das meinen Bauch zur Höhle macht.„Mein Bäuchlein— i— hi— hil"
„Der tut, als hätte er einen gesoffen. Na, geben wir ihm abends einen Teelöffel Brom .‘ Er dreht sich schwerfällig auf dem Absatz um, die erste Visite ist glücklich überstanden.
„Sie haben Schwein gehabt‘, sagt Schlenk.„Ich habe Blut und Wasser geschwitzt. Daß der sich das gefallen ließ. Wie der sonst alle zusammenstaucht, daß die Wände wackeln. Nun reden Sie doch, wie finden Sie ihn?“
„Beginnende Dementia senilis“, antworte ich kurz.
„Heißt das nicht Altersirrsinn?‘‘ Ich nicke und setze sachlich belehrend hinzu:„Das Gehirn nimmt im Alter ab, es wird bei alten Leuten leichter, öfters kommt es auch noch zu einer krankhaften Veränderung des Nervengewebes, dann beginnt der Altersschwachsinn, zunächst in der Regel mit der abnehmenden Fähigkeit, geordnete Gespräche zu führen. Unser Weißbart begnügt sich schon damit, primitive Einzelbemerkungen zu machen. Noch haben sie inneren Zusammenhalt, aber all- mählich wird der loser und loser.“
Abends kommt Franz mit der Medizin.„Mensch, hast du’'n Dusel!‘‘, versichert er mir.„Brom, Mann Gottes, Brom ! Das kriegt doch einer nur, wenn er beim Weißbart ganz groß ange- schrieben ist. Der läßt dich sicher’ne Woche und länger in Ruhe.“
Die langen, warmen Tage kommen mit leisen Vogelstimmen und verschweben blau ins Nichts.
Draußen auf der ergrauenden Rasenfläche des Vorgartens brennt ein vielstrahliger Stern aus roten Geranien, seine Leuchtkraft hebt sich triumphierend von dem verschmutzten Braunrot der Gefängnismauern ab. In den schweren, lang- stieligen Blättern der Platane klimpert der Wind. Und träge tropft die Zeit.— Und nichts geschieht, was nach höherer Schickung aussehen könnte. Schlenk bemitleidet mich, Niko sorgt für Gemüsesuppen samt Nachschlag, Franz bringt abends den Löffel mit salzigem Brom und berichtet über seinen Dämmerzustand, damals als die Pflaumen in seinen Rucksack flogen.
Wann wird Herr Dr. Büttenberg, der Obermedizinalrat, Chefarzt und Schicksalsgott, wohl von sich hören lassen? Ich warte, warte auf das Stichwort, ich habe meine Rolle gut studiert.
Wenn ich nur Zeitungen hätte! Ja, wo’bleibt meine Zeitung!
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