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wir hier nicht.‘ Inzwischen hat er mich entdeckt.„Ein Neuer? Na, wo piept's denn bei dir? Äußerlich oder innerlich? Ich bin nämlich gelernter Krankenpfleger.“
„„Äußerlich und innerlich, beides‘, antworte ich diplomatisch. Und weil er damit noch nicht zufrieden ist, füge ich hinzu: „Hämorrhoiden äußerlich— und Nervenleiden innerlich.“
Während er umständlich überlegt, gerät seine Steilfalte in Bewegung. Man könnte die Langsamkeit seines Denkprozesses geradezu filmen.
Endlich setzt er wieder zum Sprechen an.„‚Die Hämorrhoiden, die kriegen wir mit einer Abführbrühe klein. Prima gekocht, ich verstehe was davon. Jeden Abend ein Gläschen von einem gelben Saft, und die Biester kapitulieren. Aber die Nerven, die Nerven—
Er schüttelt den Kopf, sein Blick verliert sich in der Ferne. „Da kann man nischt machen. Da muß man abwarten, ob man damit alt wird oder nicht. Wer lange mit den Nerven zu tun hat, lebt auch lange.“. Hilflos grinst er über seinen abge- standenen Witz und will gehen.
„Hallo, Franz‘, ruft Schlenk hinterher.„Unser Neuer ist Fachmann für meschugge. Ich glaub’ beinahe, der ist mal Irren- arzt gewesen. Da mußte dich ranhalten.“
Halb verlegen, halb mißtrauisch bleibt Franz mitsamt seinem Bauchladen noch einmal stehen.
„Is wahr? Aber Arzt biste nich. Sonst wüßt ich's schon, Gefangene Ärzte werden bei uns im Lazarett als Kranke gleich abgesondert, damit sie nicht mitkurieren. Das können nämlich die Anstaltsärzte nicht vertragen, wenn ihnen einer ins Hand- werk pfuscht. Aber vielleicht biste sowas ähnliches, Pillen- dreher oder'n andrer Giftmischer, was?“ Er blickt sich angestrengt um, als suche er Hilfe, besinnt sich wieder mit zuckender Stirnfalte und wischt sich den Schweiß.
„Was ich bin, ist eine lange Geschichte‘, lenke ich ab.„Aber so was Ähnliches könnte ich vielleicht auch noch darstellen.“
„Ich muß gehen“, sagt Franz in sichtlicher Erschöpfung.„Ich komme hier heut sowieso mit der Medizin nicht zu Rande. Ich muß jetzt gehn.‘ Er rührt sich aber noch immer nicht von der Stelle, überlegt noch einmal in stummer Änspannung.„Näch- stens muß ich wieder ans Versorgungsamt schreiben. Da kannst du helfen. Wegen meines Dämmerzustandes muß ich nämlich schreiben.‘
Meine Krankenzelle dämmert langsam in die leere Nacht
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