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, morgen noch, mitten in dem großen Büro-Trubel Herrn Freisler zu fassen.‘
„Er raste natürlich, der blutige Hanswurst.‘
„Bleiben wir bei der Sache‘‘, sagt er düster.„Sie haben es mit Freisler total verdorben.‘
„Ist er also nicht mit sich zufrieden gewesen?‘ höhne ich mit der Genugtuung eines Galgenhumoristen.
„Ach, seine Urteile werden in der nächsten Zeit noch schärfer ausfallen.‘
„Sie meinen, köpfen ist ihm jetzt zu milde, er will uns hängen sehn?“
„Als Anwalt muß ich mich etwas zurückhaltender ausdrücken. Aber ich muß Ihnen offen sagen: Sie haben bei Freisler keine Aussicht, mit dem Leben davonzukommen. Das Todesurteil ist sicher, wenn nicht—“ Er bricht ab und sinnt,
‚Wenn nicht—?‘ frage ich gedehnt,
„Wenn nicht— wiederholt er zögernd.„Wenn nicht Ihre Erkrankung so schwer sein sollte, daß Sie vorläufig nicht vor Gericht zur Urteilsfällung erscheinen können. Das Urteil darf ja nicht in Ihrer Abwesenheit verkündet werden. Wenn ich Sie so ansehe, halte ich Sie eigentlich nicht für verhand- lungsfähig.“ Er wirft mir einen bedeutungsvollen Blick von der Seite zu.
„Hm, Sie wollen sagen, wer mich ansieht, wird mir glauben, wenn ich behaupte— hm—, wegen dieser oder jener Störun- gen nicht verhandlungsfähig zu sein.“
„Vielleicht‘‘, erklärt er in kluger Zaghaftigkeit.„Vielleicht hilft es doch eine Weile, wenn ich dem Gericht schriftlich mit- teile, ich hätte Sie in keinem verhandlungsfähigen Zustand an- getroffen. Sie müßten natürlich Ihren schlechten Gesundheits- zustand— sagen wir mal— etwas unterstreichen— vielleicht bessert sich inzwischen die Situation— verstehen Sie mich recht—“
Ich nicke bedächtig. ‚„Gewiß verstehe ich. Dem Verhängnis ein paar kleine Korrekturen aufzwingen. Die Sterne etwas umgruppieren! Unmöglich ist nur, was man für unmöglich hält.“
„Do dachte ich früher auch. Aber in diesen Jahren rosiger Überschätzungen bin ich Pessimist geworden‘, seufzt der Anwalt.
„Aller guten Dingen sind drei: Sie sind mein dritter Ver- teidiger. Warum sollte ich nicht mit Ihnen etwas fortune haben?“
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