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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
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der abgemagerten Hand, an der er schon ganz lose saß. ‚Is 585 gestempelt. Jut is.'n bisken dünn is er ja, Du bist doch wat Besseres, müßtest eijentlich och'n dicken Ring haben.

Ich zucke zurück, ich möchte mich weigern; der Gedanke, daß dieser Bursche mit meinem Ehering abziehen will, ist mir widerlich. Auf.der Innenseite des Ringes ist ein Datum ein- graviert, das nur uns beide angeht, die wir den gleichen Ring tragen. e

Er ist auch in der Form kein gewöhnlicher Verlobungs- ring, er besteht aus drei schmalen, in sich verschmolzenen Ringen, die Glaube, Hoffnung, Liebe als eine heilige Drei- einheit symbolisieren. Solche Ringe trug man im klassisch- romantischen Zeitalter, heute sind sie in Deutschland fast unbekannt,

Der Rüsselköpfige merkt meinen Widerstand, er fühlt aber ebenso meine Schwäche heraus, meine Schwachheit an Leib und Seele. ‚Mensch, vasteh mir richtich, wir machn een ehrlichet Tauschjeschäft. Ich krieje man bloß den dünnen Ring, und du krichst Nachschlag noch und noch. Sollst die Plauze orntlich vollkriejen. Nachschlag vier janze jeschlagne Wochen. Na wat denn, wat denn, wenn det keen jutet Jeschäft vor

dir ist!

Mein Ring befindet sich längst in seiner Tasche, die Weige- rung käme zu spät und wäre von vornherein gefährlich gewesen. Ja, ich hätte bei Ablehnung des ‚‚Geschäfts riskieren müssen, daß ich in Zukunft zur Strafe nur einen halben Schlag oder auch noch weniger bekommen hätte,

Wer nicht schnell verhungern will, darf es in der Lehrter Straße nicht mit dem Oberkalfaktor verderben. Die Wacht- meister kümmern sich um solche Kleinigkeiten nicht mehr. Laßt doch den Kerl verrecken, was ist dabei, von solchem Mistzeug bekommen wir jetzt mehr als zuviel!

Mein dicker Schwarzschlächter und Ringräuber hält sich an den Zwangsvertrag mit der ollen, ehrlichen Zuverlässigkeit der Korruption. Ich erhalte meinen Nachschlag pünktlich und reich-

lich. Es kommt mir jetzt vor, als nähmen die Kohlfluten, die

Graupengewässer, die spinatgefärbten Pfützen überhaupt kein Ende. Gold gab ich für Wasser, fürwahr, es ist eine teure Brühe, und sie kostete mehr als Gold, ich gab das Unterpfand des engsten Bundes, den die Menschen schließen.

Noch will meine Linke spielerisch an dem Ringe drehen, wie sie es seit achtzehn Jahren gewohnt war. Ich kann nur noch

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