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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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führe. Sagen Sie, haben Sie noch mehr von solchen furcht­baren Geschichten?"

,, Noch ein Witzchen zum Abschied, Herr Rechtsanwalt. Ein Witzchen über den Teppichfresser. Die Sekretärin meines Gestapo - Häuptlings kannte ihn schon, aber die war besonders ausgekocht. Also hören Sie: Hitler kommt in ein Teppichhaus und kauft eine, Gebetsbrücke aus ganz wundervoll weichem Buchara- Gewebe. Als er gezahlt hat, fragt der Verkäufer:, Soll ich den Teppich zuschicken lassen oder wünschen der Herr ihn gleich hier zu verspeisen?""

Mein Exanwalt sucht sich durch ein Gelächter aus der Ver­strickung zu ziehen. ,, Gott erhalte Ihnen recht lange Ihren goldenen Humor!"

Dann macht er sich schnell aus dem Staube.

Ach, mir ist gar nicht humorig zumute, der Hämorrhoiden­teufel stiehlt mir die spärlichen Fleisch- und Fettreste, in denen bisher mein Gerippe verpackt war. Immer besser kann ich an meinem Körpergestell Knochenanatomie studieren. So also sieht das Schlüsselbein aus? Als dürrer Bügel spannt es sich über eine tiefe Mulde.

Nur an den Beinen, kurz über den Knöcheln bilden sich neue Polster, aber das sind wasserhaltige Schwellungen, die beim Gehen einen sperrigen Widerstand entgegensetzen.

Eigentlich sollte ich auf Knien danken, daß ich nicht mehr gefesselt bin. Welchem Umstande ich diese neue Daseinsgunst, verdanke, ahne ich nicht, vielleicht nur einer Vergeßlichkeit der Beamten, einer weitverbreiteten Berufseigenschaft der Kerker­knechte, die sich freilich viel häufiger zum Nachteil der Ge­fangenen auswirkt.

Ansonsten regiert mich eine logische Kette der Übel: die lange Einzelhaft ohne Arbeit führt zum Mangel an Bewegung, die Gliederruhe zur Kreislaufstörung, daraus entstehen die Hämorrhoidenschmerzen, die allen Schlaf verbannen. Wer nicht schläft, spürt den Hunger um so schlimmer.

Der Magen möchte wenigstens betrogen werden, er friẞt auch Baumrinde und Unkraut, aber auch davon ist leider nur wenig greifbar. Dem Magen kommt es nur noch auf Fülle an, er gibt sich schon mit einer beliebigen Masse zufrieden, an der er seine Arbeitslust versuchen kann. Ach, dieses mißhandelte Kesselchen möchte noch immer fleißig sein.

Unser Mittagessen ist meistens auch nur noch ein Rohstoff­gemengsel niedrigster Art, ein Flüssigkeitsaggregat fast ohne

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