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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
Seite
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dringenden Verdacht standen, geheime Staatsvorgänge, die Ihnen in der Umgebung Hindenburgs bekannt wurden, gegen den Nationalsozialismus ausspielen zu wollen. Vielleicht stan­den Sie schon damals heimlich im Solde von Moskau oder Amerika ."

,, Herr Präsident, das muß ich zurückweisen", rufe ich, so heftig ich kann. Aber meine Stimme ist tonlos, ich leide an einer Erschlaffung der Stimmbänder, die alle Gefangenen be­fällt, die lange Monate in Einzelhaft waren und nur selten sprechen konnten.

,, Herr Präsident", fauche ich in stimmloser Erregung. ,, Ich stehe nicht wegen der alten Hindenburgaffäre hier, sondern wegen angeblichen Hochverrats. Ich kann nicht leugnen, daß ich für einen Sonderfrieden mit Rußland eingetreten bin, weil ich in einem solchen Sonderfrieden im Osten die einzige Mög­lichkeit sehe, unser Land vor dem Untergang zu bewahren." Meine bleiernen Worte tanzen aber nur wie Kork auf welligem Wasser.

Freisler mißt mich mit mitleidigem Hohn. ,, So, so, Sie wollten Sonderfrieden machen. Wie hübsch von Ihnen! Sie, die Frau Gemahlin und der Hausfreund machen Sonderfrieden mit den Sowjets. Sie möchten wohl, daß wir Sie für größenwahn­sinnig halten und als Narren behandeln."

Eben habe ich ein Teilchen der Wahrheit gestanden. Das Teilchen, das man mir bewiesen hat. Ich spiele vielleicht in dieser Sache am besten den intellektuellen Phantasten. Natür­lich klingt es wie leerer Größenwahn, wenn ich sage, daß wir drei mit Rußland Sonderfrieden schließen wollten. Sie sollen glauben, es handle sich nur um eine Marotte von mir. Sobald ich erkläre, daß ein größerer Kreis an dieser Idee beteiligt war, will er Namen wissen. Daß wir direkte und indirekte Fühler nach Stockholm ausstreckten, haben sie zwar irgendwie ge­wittert, aber sie halten hoffentlich das meiste für närrische Renommage.

Vielleicht lenke ich doch lieber noch einmal auf Hindenburg zurück. Dieses unwichtige Thema scheint ja Freisler zu liegen. ,, Meine Verhaftung bei Hindenburgs Tode war eine reine Vor­beugungsmaßnahme. Man sperrte mich damals ins Columbia­Haus, weil man mir mißtraute. Argwohn zu erregen, ist noch kein Verbrechen. Vielleicht war es mein einziges Verbrechen, daß ich mir Hitler nicht als Hindenburgs Nach­folger wünschte."

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